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Geht nicht!

Ohne Ärzte dem plötzlichen Herztod entgehen?

„Ohne Ärzte geht's nicht", lautet die klare Botschaft der Österreichischen Ärztekammer. Das Gesundheitssystem braucht Reformen!

Die Ärztekammer kritisierte, dass viele politische Parteien zwar für die Stärkung der niedergelassenen Ärzte eintreten, ohne jedoch konkrete Schritte zu setzen. Die geplanten Primärversorgungszentren seien kein Allheilmittel, sondern ein Ideologiepapier ohne echten Nutzen für Patienten.

Dringender Reformbedarf

Die Politik wäre gut beraten, nicht zu übersehen, dass auf fast allen Top-Ten-Listen der für die Österreicher wichtigsten Themen Gesundheit und Gesundheitsversorgung ganz oben stünden. „Wer also bei den Wahlen Stimmen dazugewinnen möchte, sollte dieser Priorisierung Rechnung tragen. Mit unserer Kampagne ‚Ohne Ärzte geht's nicht‘ tragen wir dazu bei, dass der dringende Reformbedarf auf der gesundheitspolitischen Agenda bleibt", sagte der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Johannes Steinhart. Die drei Kernforderungen seien: Behebung des drohenden Ärztemangels, Reparatur des Primärversorgungsgesetzes und mehr ärztliche Kompetenz in die Politik.

Medizinische Versorgungskrise

Diese Forderungen seien umso dringender, als die Politik lieber auf Ideologie setze als auf die Entwicklung brauchbarer Lösungen: „Man präsentiert uns Primärversorgungszentren als Allheilmittel für die drohende medizinische Versorgungskrise. Sie sollen gleichzeitig den Ärztemangel lösen, die Ambulanzen entlasten und noch dazu besonders effizient sein." Dabei würden die gesundheitspolitischen Entscheider völlig übersehen, dass man auch in diesen Zentren Ärzte brauchen werde. Diese seien jedoch nicht in Sicht. Und auch die Patienten würden nicht automatisch in Scharen in solche Zentren drängen, die zudem wesentlich teurer seien als Einzel-Kassenpraxen. „Eine solch ideenlose und ideologiegetriebene Politik schafft mehr Probleme, als sie löst", betonte Steinhart.

Sinnvolle Alternativen

Auch die Leiterin des ÖÄK-Referats für Primärversorgung und ärztliche Zusammenarbeitsformen der Österreichischen Ärztekammer, Naghme Kamaleyan-Schmied, warnte vor Zentren, wie das neue Primärversorgungsgesetz sie vorschreibe: „Das ist eine echte Bedrohung für die wohnortnahe Versorgung. Denn ein Zentrum bedeutet zunächst für viele Patienten längere Wege zum Arzt, es kann auch den Verlust des Vertrauensarztes und das Ende der freien Arztwahl bringen." Eine sinnvolle Alternative dazu sei die Vernetzung bestehender Arztpraxen untereinander und das Aufwerten der bestehenden Ordinationen durch ein breiteres Leistungsangebot und durch technisches Equipment. „Und das gibt es vielerorts längst, ganz ohne zentrale Anordnung von oben", so Kamaleyan-Schmied.

Von Platz eins auf Platz zehn abgerutscht

Auf die Probleme in der fachärztlichen Versorgung wies der stv. Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Norbert Meindl, hin: „Es ist sehr offensichtlich, dass die Verträge mit den Kassen für junge Ärztinnen und Ärzte inzwischen unattraktiv geworden sind: Die Zahl der fachärztlichen Kassenpraxen ist seit dem Jahr 1999 geringfügig auf rund 3270 angestiegen – und das bei einer immer älter werdenden und wachsenden Bevölkerung. Die Anzahl der Wahlarztpraxen hingegen hat sich seither auf rund 7150 deutlich mehr als verdoppelt." Er forderte in erster Linie die Abschaffung der Deckelungen und Degressionen sowie die Förderung von monokoloren und multikoloren - also fächerübergreifenden - Gruppenpraxen. Objektiv betrachtet ist das Österreichische Gesundheitssystem in internationalen Analysen wie dem Euro Health Cosumer Index in den letzten zehn Jahren vom Platz eins auf den zehnten Platz abgerutscht. „Ärzte haben medizinische Guidelines zu befolgen und die Menschen zu versorgen und die Politik folgt einem 'Kostendämpfungspfad' - das ist heute nicht mehr in Einklang zu bringen."

www.aerzte-informieren.at

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