Burgenland

Trockenheit "Desaster" für Getreidebauern

Die Getreidebauern in Ostösterreich erwarten wegen der Trockenheit eine schlechte Ernte.

Im Burgenland soll die Getreideernte sogar minus 20 Prozent im Vergleich zum fünfjährigen Schnitt betragen. "Das ist ein echtes Desaster", sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes am Donnerstag bei der Präsentation der Ernteprognose.

Im Süden und Westen Österreichs rechnen die Bauern hingegen mit einer relativ zufriedenstellenden Getreideernte. Insgesamt soll die Getreideernte (ohne Mais) in Österreich heuer mit 2,73 Mio. Tonnen um 12,3 Prozent geringer ausfallen als im fünfjährigen Durchschnitt und um 22,3 Prozent geringer als im guten Erntejahr 2016. Für Getreidebauern ohne Dürreversicherung werde es heuer finanziell sehr eng werden, sagte der Landwirtschaftskammer-Präsident bei der Ernteprognose-Pressekonferenz in Halbturn (Burgenland).

In den meisten östlichen Regionen Österreichs gab es im ersten Halbjahr deutlich weniger Regen als in normalen Jahren. Besonders wenig Niederschlag gab es in den für die Getreide-Ährenbildung wichtigen Monaten Mai und Juni im Vergleich zum langjährigen Schnitt in Horn (NÖ) mit minus 67 Prozent und Ried im Innkreis (OÖ) mit minus 64 Prozent. Aber auch in vielen anderen Gegenden in Oberösterreich und dem Osten Österreichs gab es im Mai und Juni ein Niederschlagsdefizit von 50 Prozent.

Mengenmäßig erwartet die Landwirtschaftskammer in Österreich heuer bei allen Getreidekulturen außer Wintergerste und Triticale einen Rückgang. Die Menge bei Hartweizen soll gegenüber dem fünfjährigen Schnitt um 2,9 Prozent und bei Weichweizen um 14,5 Prozent sinken, Sommergerste (-33 Prozent) und Roggen (-26,1 Prozent). Die Ölraps-Produktion soll um 28 Prozent sinken, weil von den Bauern deutlich weniger angebaut wurde.

Der deutliche Erntemengenrückgang bei Sommergerste und Roggen liegt vor allem an der deutlich geringeren Anbaufläche. Halbiert haben die Bauern die Ackerfläche im Vergleich zum fünfjährigen Schnitt für Ölkürbisse, weil nach der guten Ernte im Vorjahr die Lager noch gut gefüllt sind. Stark ausgeweitet haben die Landwirte wieder die Fläche von Sojabohnen, die sich gegenüber dem fünfjährigen Schnitt auf mehr als 64.000 Hektar verdoppelt hat.

Für Mais, Ölkürbis, Sojabohnen und Kartoffeln gibt es noch keine Ernteschätzung. Laut Landwirtschaftskammer-Präsident Schultes sieht es bei diesen Ackerpflanzen aber auch nicht gut aus. Um den Soja zu retten, seien derzeit alle verfügbaren Regenmaschinen im Einsatz.

Der burgenländische Landwirtschaftskammer-Präsident, Franz Stefan Hautzinger, verwies bei der Pressekonferenz darauf, dass es heuer bereits 17 Hitzetage über 30 Grad gegeben habe und den trockensten März seit Aufzeichnungen sowie den zweitheißesten Juni. "Die Wetterereignisse werden im negativen Sinn extremer." Die Getreidemenge werde klein ausfallen und die Preise seien "nicht besonders berauschend sein". Dadurch würden die betriebswirtschaftlichen Deckungsbeiträge für die Bauern "tief liegen".

Der Präsident der Wiener Landwirtschaftskammer, Franz Windisch, sieht den Niederschlagsmangel als Hauptgrund für die schlechte Getreideernte 2017. "Auf der Zielgeraden ist uns das Wasser ausgegangen, ab Mitte Mai hat das Wasser für die Kornbildung gefehlt." Die Getreideähren seien "halb so groß wie normal". Durch die schlechte Ernte bleibe die Einkommenssituation für die betroffenen Bauern "äußerst prekär".

Die heimischen Getreidebauern müssen trotz geringerer Erntemenge mit relativ niedrigen Getreidepreisen rechnen. An der Pariser Warenterminbörse Euronext kostet eine Tonne Weizen aktuell rund 180 Euro. Die reduzierten Erwartungen an die US- und EU-Weizenernte aufgrund der Trockenheit ließen zuletzt den Preis aber ansteigen. In den vergangenen Jahren hat der Weizenpreis eine Berg- und Talfahrt erlebt und pendelte zwischen 140 und 280 Euro. Eine schlechte Ernte in einem großen Anbaugebiet - etwa USA, Russland oder Ukraine - kann den Weltmarktpreis für Getreide aber schnell wieder in die Höhe schießen lassen.

RWA-Getreidemanager Ernst Gauhs erwartet "mittelfristig einen etwas festeren Preistrend". "Alle Anzeichen sprechen derzeit gegen ein weiteres Absinken der Getreidepreise", so der Bereichsleiter für landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Raiffeisen Ware Austria. Eng werde die Versorgung aber weiterhin nicht, weil das Verhältnis der weltweiten Getreidebestände zum Verbrauch einen Wert von rund 23 Prozent ergebe. Ein Wert über 20 Prozent gilt als Zeichen für überversorgte Märkte.

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