Kommt Börsen-Future?

Bitcoin ist auf neuem Allzeithoch

Preisrallye bei der Digitalwährung nimmt scheinbar kein Ende.

Die Internetwährung Bitcoin jagt von einem Rekord zum nächsten und es ist kein Ende in Sicht. Seit Anfang des Jahres hat sich der Kurs verzehnfacht, die 10.000-US-Dollar-Marke ist nur noch ein Katzensprung entfernt. Ein Grund für die enorme Nachfrage ist Experten zufolge der von der US-Börse CME geplante Bitcoin-Future, mit dem Anleger auf fallende oder weiter steigende Kurse wetten können.

Sie gehen davon aus, dass sich so für die Kryptowährung die Schleusen in den Massenmarkt öffnen, weitere handelbare Produkte dürften bald folgen. Bitcoin-Kritiker warnen dagegen vor dem Platzen einer Blase und raten vor Investitionen in das unregulierte und stark schwankende Computer-Geld ab.

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"Viele private Anleger nutzten nun eine der letzten Gelegenheiten um sich rechtzeitig mit digitalen Talern einzudecken, bevor die CME Group möglicherweise die Zulassung für einen Bitcoin-Future erhält", sagt Analyst Timo Emden vom Brokerhaus IG. Ein Terminkontrakt der Chicago Mercantile Exchange (CME) würde die 2008 ins Leben gerufene Digitalwährung adeln, denn die CME ist die weltweit größte Future-Börse und in der Branche bestens bekannt. "Wenn es eine akzeptierte Plattform gibt, auf der Bitcoin gehandelt werden können, ist die Argumentation für eine neue Vermögenskategorie vorhanden", betont Devisenanalyst Michael Andersch von der Bayern LB.

Die CME-Manager sind nicht die einzigen, die Bitcoin vor dem Durchbruch sehen: So hat auch die US-amerikanische CME-Rivalin CBOE bei der US-Finanzaufsicht einen Bitcoin-Terminkontrakt beantragt. Die Schweizer Bank Vontobel legte zwei Futures auf, mit denen Anleger auf fallende Bitcoin-Kurse wetten können. In Frankreich brachte der Vermögensverwalter Tobam einen Fonds an den Markt, über den institutionelle Anleger in die virtuelle Währung investieren können. Der weltgrößte börsennotierte Hedgefonds Man Group kündigte an, interessierten Kunden Bitcoin-Futures anzubieten. Auch die Bosse der US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley zeigten sich offen dafür.

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Laut CME ist der Start des Terminkontrakts noch für dieses Jahr geplant. Schon seit einiger Zeit berechnet sie mit der britischen Derivatebörse Crypto Facilities einen dafür notwendigen Bitcoin-Referenzkurs. Der Future soll funktionieren wie andere Terminkontrakte auch: Der Käufer würde sich verpflichten, zu einem künftigen Zeitpunkt eine bestimmte Menge Bitcoin zu einem festgelegten Preis zu liefern oder zu kaufen.

Vor allem institutionelle Investoren, denen der Handel mit Bitcoin oft wegen Vorschriften der Aufsichtsbehörden untersagt ist, würden damit einen einfacheren Zugang zum Markt erhalten. Andere Finanzprodukte wie Indexfonds (ETFs) könnten bald folgen, sind sich Marktbeobachter einig. "Ein Future würde Bitcoin viel Unterstützung geben und dabei helfen, die Kursschwankungen zu mindern", ist sich John O'Rourke, Präsident des Finanzinvestors Riot, sicher. Die US-Firma hat sich auf Beteiligungen von Unternehmen spezialisiert, die auf die Blockchain-Technologie setzen, auf der auch Bitcoin basiert.

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Die US-Finanzaufsicht muss dem Future aber noch zustimmen. Im Frühjahr waren ihr die Kursausschläge der Kryptowährung Grund genug, die Pläne für einen Bitcoin-Indexfonds (ETF) abzuschmettern. Auch die zahlreichen Kritiker der Cyberdevise heben die hohe Volatilität immer wieder hervor. Zehn Prozent Plus oder Minus am Tag sind keine Seltenheit. "Ich würde Bitcoin dem normalen Anleger schlichtweg nicht empfehlen. Es ist eine unglaublich spekulative Anlage", warnt etwa Ulrich Stephan, Chefanlage-Stratege bei der Deutschen Bank. Der Chef der US-Bank JP Morgan Chase bezeichnete Bitcoin sogar als "Betrug". Für das digitale Geld steht keine Zentralbank oder Regierung ein. Computer weltweit berechnen hochkomplexe Algorithmen und erschaffen damit die Kryptowährung. Bitcoin können anonym und schnell transferiert werden und werden daher oft mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht.

Der Chef des US-Derivatehändlers Interactive Brokers, Thomas Peterffy, warnte die heimische Aufsichtsbehörde in einem offenen Brief vor einem Bitcoin-Future: Kryptowährungen seien jung und völlig unreguliert. Sollten durch hohe Schwankungen bei den Terminkontrakten für das virtuelle Geld Derivate-Häuser ins Straucheln geraten, könnte das sogar die ganze Realwirtschaft destabilisieren.

Falls die Aufsichtsbehörde den Future-Plänen einen Strich durch die Rechnung macht, könnte es mit dem Bitcoin-Kurs erst einmal rasant bergab gehen, da sind sich Marktbeobachter einig. Bei einem "Ja" dürfte sich der Höhenflug aber fortsetzen, ist sich etwa Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader sicher. "Der Preis kann auch noch bis auf 50.000 Dollar steigen, bevor es zu einer ernsthaften Korrektur kommt."

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