Ländercheck in Europa

Unsere Bankkonten vergleichsweise billig

Einzeltransaktionen sind teurer geworden, mit Pauschalen sind Kunden besser dran.

Für viele Einzeltransaktionen verlangen die heimischen Banken mehr Spesen als vor sechs Jahren. Mit Pauschalen und Kontopaketen fuhren Privatkunden einer Capgemini-Studie zufolge 2016 indes besser als mit den Aushang-Preisen von 2010. Durch Pauschalpakete seien die Kunden durchaus in der Lage, Preiserhöhungen gegenzusteuern, sagt Wirtschaftskammer-Bankensparten-Geschäftsführer Franz Rudorfer.

Das liegt auch daran, dass die Bankkunden viel mehr online abwickeln, was teurere Transaktionen in den Filialen überflüssig machte. Österreich liegt in der Erhebung der Unternehmensberatung beim Preis für private Kontopakete - im Schnitt kam die Studie bei Analysen von acht Banken bzw. Bankengruppen in Österreich auf 74,8 Euro - auf Platz zwei von insgesamt 11 Vergleichsländern in Europa. Nur die Niederländer lägen darunter. Im Schnitt der untersuchten 11 europäischen Länder seien es 123,2 Euro, also gut 48 Euro mehr als bei uns. Die Deutschen lagen 2016 bei 105,5 Euro. Besonders teuer ist es in Großbritannien, Italien und der Schweiz.

Alle Kosten verglichen

Erhoben wurden für 2016 die tatsächlich verrechneten Preise für ein Bankkonto inklusive sämtlicher Transaktionen. Ein Vergleich mit der letzten Studie von 2010 ist wegen Erhebungsänderungen zwar nicht ganz leicht: Während für 2016 Daten von Banken analysiert wurden, basierten die Werte von 2010 auf Befragungen - und für 2016 wurde erhoben, was der Kunde tatsächlich für sein Konto zahlte, 2010 wurde der Aushang herangezogen. Trotzdem sehen die Autoren den Trend belegt: Die tatsächlich verrechneten Preise seien in Österreich 2016 um knapp 23 Prozent niedriger gewesen als jene, die 2010 ausgeschrieben waren ("Aushang").

Der Trend zur Pauschalverrechnung geht in ganz Europa weiter, wurde am Mittwoch bei der Studienpräsentation in der Wirtschaftskammer betont. Dementsprechend sei auch in Österreich der Anteil an Kontoführungsentgelten gestiegen. Anders als 2010 nutzten die Kunden viel mehr das Onlinebanking. Aktivere Kunden profitierten von Pauschalen besonders stark.

Der Durchschnittsösterreicher habe seine Geldbehebungen am Bankschalter in sechs Jahren halbiert, ebenso die Abhebungen an fremden Bankomaten. Einzahlungen laufen ebenso an den Schaltern vorbei vermehrt an den Selbstbedienungsautomaten.

Vergleichsweise billig

Ermittelt wurde auch, wieviel die Österreicher berappen müssten, würden sie im Ausland ihre Konten so gebrauchen wie daheim. Im so genannten "nationalen Nutzungsverhalten" liegt Österreich verhältnismäßig sogar am günstigsten, ergab die Analyse. Immer noch gingen die Österreicher mehr in die Bankfiliale als der Europaschnitt. "Woanders überlegt man sich's dreimal, was den Preis angeht", befand Cap-Gemini-Finanzexperte Simon El Dib. Würde der Kunde eine Bank beispielsweise in Großbritannien so nutzen wie in Österreich, müsste er für ein solches Leistungspaket dort 269 Euro ausgeben und nicht knapp 75 Euro wie hierzulande.

Vervielfacht haben sich seit der letzten Studie die Onlinezugriffe. Während sich in Österreich Nutzer im Jahr 2010 im Schnitt 10 Mal über verschiedene Bankportale angemeldet haben, waren es 2016 bereits 87 Logins. Für die Untersuchung wurden Daten von 61 Banken aus 11 Ländern herangezogen.

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