Schwere Lücken bei Dating-Apps

Achtung: So unsicher sind Tinder & Co.

Die hinter einem Account stehende reale Person lässt sich leicht entlarven.

Dating-Apps werden auch im Jahr 2018 ihren Erfolgslauf fortsetzen. Eine aktuelle Analyse könnte vielen Nutzern den Spaß an ihren „Tinder-Techtelmechteln“ jedoch verderben. Denn die User geben bei der Partnersuche oft sehr vertrauliche Daten preis – ob sexuelle Vorlieben, Nacktfotos oder schlicht Passwörter. Leider gehen die Dating-Apps nicht gerade sicher mit diesen Daten um. Zu diesem Fazit kommen jedenfalls die Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab, die neun beliebte Dating-Apps – darunter  Tinder  – auf Sicherheits- und Datenschutz-Schwachstellen überprüft haben.

Daten unzureichend geschützt

Das Ergebnis der Analyse namens „Dangerous liasons“ ist ernüchternd: Über Dating-Apps lässt sich häufig die hinter einem Account stehende reale Person entlarven; auch können User über Dating-Apps einfach lokalisiert, verschlüsselte Kommunikation abgefangen und Sicherheitsvorkehrungen umgangen werden. Das sind natürlich ernstzunehmende Sicherheits- und Datenschutzprobleme, denn die meisten Dienste verlangen diverse persönliche Informationen der Nutzer.

© Kaspersky Lab Reale Person und Standort sind häufig einfach herauszufinden.

Zentrale Schwachstellen

Laut der Kaspersky-Analyse bergen Dating-Apps folgende zentrale Schwachstellen:

  • bei 60 Prozent der Tinder-Nutzer konnten der vollständige Name sowie weitere Konten in Sozialen Netzwerken nachvollzogen werden
  • sechs der untersuchten Apps boten Dritten die Möglichkeit, den Standort der Nutzer zu bestimmen
  • bei fünf Apps lassen sich Daten auch innerhalb der verschlüsselten Verbindung abfangen – sie sind also anfällig für Spionage oder Manipulation der Kommunikation (Man-in-the-Middle-Attacken)
  • bei acht Apps war es möglich, Token-basierte Authentifizierungsmethoden zu umgehen – der Grund: mithilfe von Superuser-Rechten werden von den Apps zu viele Informationen zur Verfügung gestellt

 

Spionagefalle Dating-App trotz Token?

Die Experten von Kaspersky zeigen in ihrer Analyse, dass auch Token-basierte Authentifizierungsmethoden, zum Beispiel bei Neuregistrierungen, unsicher sind. Ein Token wird auf Anfrage von einem Server erstellt, um den Nutzer eindeutig zu identifizieren und verlangt normalerweise den Zugriff auf ein Facebook-Konto. Mit dieser Methode erhalten Anwendungen alle notwendigen Daten, um den Nutzer auf seinen Servern authentifizieren zu können. Tokens werden laut der Kaspersky-Analyse jedoch häufig gespeichert oder unsicher verwendet und können daher leicht gestohlen werden. Die Folge: Eindringlinge können auch ohne Anmelde- und Kennwortdetails vorübergehend Zugriff auf Konten von Opfern erhalten.

Auch speichern die meisten der untersuchten Apps den Nachrichtenverlauf im selben Ordner, in dem sich auch der Token befindet. Sobald der Angreifer Superuser-Rechte erhalten hat, erhält er Zugriff auf die Korrespondenz. Solche Angriffe sind besonders für Nutzer von Android-Geräten gefährlich, insbesondere wenn auf den Geräten noch veraltete Software mit ungepatchten Sicherheitslücken läuft, über die Angreifer Root-Zugriff auf das Gerät und so Zugang zu privaten Informationen erhalten.

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Maßnahmen zum Schutz

Aufgrund der Ergebnisse haben die Experten auch einige Tipps zusammengestellt, mit denen sich Dating-App-Nutzer schützen können. Kaspersky rät Online-Datern zu folgenden Sicherheitsmaßnahmen:

  • unzureichend geschützte öffentliche WLAN-Netze meiden
  • über eine VPN-Verbindung eine sichere Verbindung herstellen
  • keine sensiblen Informationen wie Ausbildung oder Arbeitsplatz teilen
  • eine gute Cybersicherheitslösung auch auf Smartphone und Co. einsetzen

 

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