Wegen der EU

Werden Android-Handys bald viel teurer?

Geforderte Änderungen könnten zu einem (teuren) Lizenzmodell führen.

Nun scheinen sich die  Gerüchte von Anfang Juni  zu bestätigen: Google steht laut einem Zeitungsbericht tatsächlich vor einer weiteren Milliardenstrafe der EU-Kommission. Auch im Wettbewerbsverfahren um Android werde voraussichtlich der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung festgestellt, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen am Mittwoch. Darüber hinaus soll der IT-Riese dazu gezwungen werden, große Änderungen bei seinem mobilen Betriebssystem vorzunehmen. Das könnte wiederum dazu führen, dass Kunden für Smartphones, die mit Android laufen, in Zukunft deutlich mehr bezahlen müssen.

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Teurer als die bisherige Rekordstrafe

Die Strafe könne den  Rekordbetrag von rund 2,4 Milliarden Euro  aus dem Verfahren um die Shopping-Suche im vergangenen Jahr übertreffen - werde aber wohl nicht zweistellig. Mit der Entscheidung wird in den kommenden Wochen gerechnet. Die Kommission hatte das  Android-Verfahren im April 2015  aufgenommen und dem Konzern ein Jahr später den Missbrauch einer marktbeherrschenden Position vorgeworfen. Google und der Mutterkonzern Alphabet  weisen die Vorwürfe zurück .

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Was der EU ein Dorn im Auge ist

Die Kommission stört sich unter anderem daran, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, gleich ein Paket von Apps des Internet-Konzerns auf die Geräte bringen müssen. Google kontert, es sei nötig, ein Mindestangebot an Apps auf dem Gerät zu haben, weil Nutzer Google-Dienste sonst nicht vernünftig einsetzen könnten. Außerdem kritisiert die Brüsseler Behörde die "Anti-Fragmentierung-Vereinbarung", nach der Anbieter von Geräten mit Google-Diensten nicht gleichzeitig auch Smartphones mit abgewandelten Android-Versionen verkaufen können.

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Werden Android-Smartphones teurer?

Laut einem Bericht der Washington Post will die EU nun Google dazu zwingen, einige dieser Voreinstellungen zu ändern. Das wäre wiederum ein massiver Eingriff in das Betriebssystem und würde zu gravierenden Änderungen führen. Der Entfall der Google-Suche und von Chrome als vorinstallierte(r) Standardsuchmaschine bzw. -browser wäre dabei noch die kleinste Auswirkung. Das könnten die Nutzer per Download schnell ändern. Zudem würden andere Anbieter so tatsächlich bessere Chancen bekommen, ihre Dienste auf Android-Geräte zu bringen. Deutlich massiver wären die Auswirkungen, wenn Google den Play Store von den anderen vorinstallierten Google-Apps trennen müsste. Denn das würde direkte Auswirkungen auf das Android-Ökosystem und somit auch auf Googles bewährtes Geschäftsmodell haben. Das könnte wiederum dazu führen, dass Google den Hardware-Herstellern wie Samsung, Huawei, LG, Xiaomi & Co. Android nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen kann. Wenn diese für das Betriebssystem Lizenzgebühren bezahlen müssen, würde das wohl auch zu einem Anstieg der Smartphone-Preise führen.

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Entscheidung wird mit Spannung erwartet

Es sei noch unklar, inwieweit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager eine Änderung der Geschäftsbedingungen verlangen werde. Auch die "Financial Times" berichtete zuvor, dass die Kommission voraussichtlich auch im Android-Verfahren hart durchgreifen werde. In einem dritten Verfahren in Brüssel geht es um den Dienst "AdSense for Search", bei dem andere Internetseiten Google-Suchmasken einbinden können. Unter anderem schränke der Konzern die Möglichkeiten dieser Anbieter ein, auch Suchmaschinen-Werbung von Googles Rivalen anzuzeigen, befand die Kommission. Die Google-Werbung werde bevorzugt behandelt.

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