REVIEW

Wolfenstein 2: Erdbeermilch für Ego-Shooter

Ein Singleplayer-Shooter mit Charme, Story und Weichzeichner.

Machine Games Studio und der Publisher Bethesda haben eine gewagte Entscheidung getroffen indem sie komplett auf den Multiplayer-Modus verzichtet und sich stattdessen komplett auf eine umfangreiche Singleplayer-Kampagne fokussiert haben.  Ob sich das gelohnt hat – erfahrt ihr in unserer Review.

© Bethesda
Gute Stories kennen mehr als ein Ende
Unser Spielheld, BJ Blazkowicz aka „Terror Billy“ hat es nicht leicht. Gerade noch schwerverletzt im Koma, wacht er erneut in einer bedrohlichen Kampfsituation auf und muss  ein weiteres Mal gegen das (Nazi) Regime zur Axt greifen. Doch ohne zu viel spoilern zu wollen - sei gesagt, dass es diesmal die Geschichte ist, die das Spiel trägt – und zwischen eher platten Dialogen und wirklich berührenden Szenen hin und her schwankt.

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Wenn Nazis zum Regime werden
Bereits im Vorfeld war klar, dass die deutschsprachige Version von Wolfenstein 2 einige Änderungen mit sich bringt, welche der historischen Verantwortung und dem NS-Verbotsgesetz entsprechend Rechnung tragen. Dem Spielspaß schadet dies aber nicht – vor allem weil bei den deutschen Synchronstimmen ganze Arbeit geleistet wurde und die Charaktere dadurch realistischer wirken, als noch beim Vorgänger.

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Großes Kino mit B-Movie Charme
Obwohl die 2-3 Stunden an Zwischensequenzen durchaus gelungen und unterhaltsam daherkommen, die Protagonisten nachvollziehbar agieren und wir einiges über BJ’s Kindheit erfahren, so bricht der brachiale B-Movie-Humor von unserer Gegnerin „General Engel“ und ihrer verlorenen Tochter „Sigrun“ die Ernsthaftigkeit rasch entzwei. Manchmal erschöpfen sich die Dialoge auch ein wenig und wirken wie ein Spielzeit-Expander.

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Digitale Schießbude mit KI-Aussetzer
Das eigentlich Herz von Wolfenstein 2 ist jedoch der Ego-Shooter-Anteil. Und hierbei hat sich Machine Games wirklich gute Neuerungen einfallen lassen. Neben den aus dem Vorgängerteil bekannten Waffenverbesserungen (etwa Munition oder Schalldämpferaufsatz) können wir diesmal zwei beliebige Waffen kombinieren und mit beiden Händen losballern. Außerdem können wir Perks freischalten. Diese sind in den drei Kategorien; Heimlichkeit, Chaos und Taktik zusammengefasst. 

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Kampf-Mods und Donnerfäuste
Erst gegen Mitte des Spiels können einen von drei der sogenannten Kampf-Mods freischalten. Die Qual der Wahl liegt hierbei zwischen Pythongurte, welche das Anschleichen verbessern, Donnerfäuste, die uns eine entsprechende Durchschlagskraft im Nahkampf bieten - und sogenannten Schlachtenläufern, die uns zum Inspector-Gadget emporhebt. 

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Spielzeit, Enigma-Codes und Schwierigkeitsgrad
Die wesentlich längere Spielzeit im Vergleich zum Vorgänger wird teils künstlich erzeugt. So haben wir zwar zu Beginn die Möglichkeit zwischen zwei alternativen Zeitlinien zu wählen und damit geringfügig andere Missionsabläufe zu erleben – aber für mehr als ein paar Adaptionen reichen die Unterschiede hier nicht. Ebenso verhält es sich mit den Enigma-Codes, die wir einsammeln und mit deren Hilfe wir in einem Mini-Game neue Side-Missions freischalten. Diese folgen aber immer denselben Schemen an denselben Orten und bringen nur wenige Überraschungen – erhöhen die Spielzeit aber maßgeblich. Je höher der Schwierigkeitsgrad desto herausfordernder wird es.

Fazit
Wolfenstein 2: The New Colossus ist mit Sicherheit eines der besten Shooter-Games dieses Jahres. Ob wirklich das Beste – darüber kann man diskutieren. Doch alleine die Entscheidung, einen reinen Singleplayer-Shooter gegen die aktuell e Multiplayer-Konkurrenz in die Schlacht zu werfen, zeigt das man seitens Bethesda und Machine Games  genau wusste wo man hinwollte. Und ja, man hat dieses Ziel auch solide erreicht. Denn für alle Freunde des gepflegten Geballeres ist Wolfenstein 2 eine wunderbare Fortsetzung, die genau dort nachgeschärft hat – wo der Vorgänger seine Schwächen zeigte. Zusammenfassend ist Wolfenstein 2 ein absoluter Pflichtkauf für alle (Singleplayer)Shooter-Freunde und Fans des Wolfenstein-Franchise.


 

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