REVIEW: CoD WWII

Perfekt gescriptetes Daumen-Kino

Call of Duty ist ein geballtes Action-Feuerwerk mit einigen Fehlzündungen.

Die Stärke der Call of Duty - Serie bestand schon immer in der perfekten Choreographie des Singleplayer-Shooters. Mit den Jahren gewann aber auch der Multiplayer an Bedeutung und immer mehr Fans verbrachten den Großteil ihrer Spielzeit auf den offenen Schlachtfeldern des Mehrspielermodus.  Ob Sledgehammer und Activision sowohl Pflicht (Singleplayer), als auch die Kür (Multiplayer) gut getroffen haben, erfährt ihr in unserem Test.

© Activision
The Big Red One

Wir schlüpfen gleich zu Beginn in die Uniform des jungen US-Soldaten, Ronald Daniels, der sich aus hehren Zielen aufmacht, Europa vom Faschismus zu befreien. Vom Omaha Beach bis in den Hürtgenwald reicht die Kampflinie, die uns ins Herzen Deutschlands führt. Call of Duty kehrt damit zurück an den Ursprung seiner Game-Serien-Geschichte und schreibt ein mitunter bekanntes Kapitel dabei neu.

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The Story takes it all
Wenn wir uns auf eine Stärke von Call of Duty: WWII einigen können, dann ist es die hervorragende cineastische Inszenierung, die uns mitten ins Kampfgeschehen stößt und uns unsere Mitkämpfer ans Herz wachsen lässt. Die Zwischensequenzen sind stimmig und zeigen nur selten Aussetzer – wenngleich auch nur in der PC-Version. Wer den einen oder anderen Kriegsfilm gesehen hat, dem werden die Story-Elemente wohl bekannt vorkommen. Selbst der dramaturgische Schlusspunkt, die Befreiung eines Gefangenenlagers, wirkt ähnlich der bekannten Historienserie „Band of Brothers“ umgesetzt. Obgleich die Story diesmal wesentlich realitätsnäher daherkommt – so gibt es dennoch den einen oder anderen übertriebenen Action-Moment, der uns das Gefühl vermittelt mitten in einem Transformers-Film in der Zeitschleife zu stecken.

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Die Zeit heilt nicht alle Wunden
Eine wichtige große Änderung zu den letzten Vorgängern ist, dass es keine automatische Heilung mehr gibt – sondern wir uns Medi-Pack nach Medi-Pack reinpfeifen müssen, um auf den Beinen zu bleiben.


Manche Dinge ändern sich nie…
Zu den größeren Schwachstellen des neuen CoD zählt – wie schon sooft in der CoD-Serie – die mitunter strunz dumme KI, welche uns willig vor die Flinte läuft, hartnäckig danebenschießt und unsere Mitstreiter mitten ins feindliche MG-Feuer laufen lässt. Diese Schwächen bringen mitunter einen nostalgischen Beigeschmack, der aber seitens des Studios nicht beabsichtig scheint.

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Neun Karten und ein Todesfall
Das zweite Herz, das in der Brust von CoD: WWII pocht, ist der Multiplayer. Dieser ist zwar nicht ganz so flott, wie es bei den futuristischen Vorgängern der Fall war, aber durchaus dynamisch und mitreißend. Leider funktioniert das Balancing im Multiplayer noch nicht ideal und so nehmen Sniper etwa eine gar übermächtige Rolle ein, die regulären Infanteristen – besonders auf den großen offenen Maps – die Spielfreude aus dem Kopf ballert. Grafisch sind die neuen Maps tatsächlich wunderschön detailliert geworden. Und tatsächlich funktioniert der Häuserkampf – auch ohne zerstörbare Objekte – actiongeladen und kompetitiv fordernd.

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Nachschub aus der Loot-Box
Eine zusätzliche Einnahmequelle hat Activision über die Loot-Boxen eingeführt. Diese erhalten wir nicht nur durch gutes Spielen – sondern auch für bare Münze. Soll heißen, wer sich die interessantesten Waffen und Gadgets nicht freispielen will oder kann, dem steht im Ingamestore die Möglichkeit zur Verfügung, sich für echtes Geld Loot-Boxen zu kaufen. Fast wie im Casino sehen wir in der Lobby vor und nach jeder Runde, wie  unsere Mitspieler neue Loot-Boxen mit Waffen, Items und Kosmetik erhalten, die buchstäblich vom Himmel fallen. Eine bewusste Inszenierung seitens Activision – wie es scheint – die den Absatz an bezahlten Loot-Boxen ankurbeln soll.

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Bayrische Nazi-Zombies als Draufgabe

Den Fan-Wünschen entsprechend wurde ein besonderer Modus – mit eher seichter Spieltiefe – hinzugefügt. Der Zombie-Modus führt uns ins idyllische Bayern, wo wir gegen Wellen von Nazi-Zombies antreten müssen, die uns entgegenwackeln. Auch ohne KI-Anpassung – bewegen sich diese authentisch und rollengerecht. Für den einen oder anderen Gruselmoment ist dieser Spielmodus gut genug.


Fazit
Call of Duty: WWII ist perfekt gescriptetes Game-Kino. Die zahlreichen kleineren und größeren Schwachstellen sind schnell vergessen wenn einem die ersten Kugeln um die Ohren sausen oder wir in Schleichpassagen dem französischen Widerstand mit Waffenhilfe zur Seite stehen. CoD: WWII ist Geschmackssache – doch wer ein actiongeballtes Shooter-Erlebnis mit geradliniger Level-Struktur sucht – der wird mit dem neusten Ableger seine anhaltende Freude haben.

Call of Duty: WWII ist bereits für PC, PS4 und Xbox One erschienen und für rund 60€ zu in der Basisversion zu haben.

 

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