Kritik zum Neujahrskonzert 2018

Sehnsucht nach Schönheit

Jubel für Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker beim Neujahrskonzert 2018.

Freude und Glück vermitteln die Walzer und Polkas der genialen Brüder Johann und Josef Strauß, die im Zentrum des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker stehen, aber auch Wehmut, Nostalgie, Sehnsucht und Trauer. In ihrer wienerischen Musik hat die Strauß-Dynastie, wie auch der romantische Liederfürst Franz Schubert, ein Lächeln und eine Träne.

50 Millionen

Der neapolitanische Pultstar Riccardo Muti dirigierte zum fünften Mal das musikalische Großereignis, das vom ORF aus dem mit rosa und weißen Rosen und Lilien geschmückten Goldenen Saal des Wiener Musikvereins für 50 Millionen Menschen in 95 Ländern übertragen wurde.

Das Programm war, wie von Muti nicht anders zu erwarten, klassisch und schön. Neben Werken von Johann und Josef Strauß, Johann Strauß Vater und Franz von Suppé war als einziger Ausreißer die Stephanie-Gavotte des österreichisch-ungarischen Militärkapellmeisters Alfons Czibulka zu hören.

Elegant

So schlank wie der Blumenschmuck war der elegante Klangfluss des Orchesters, das sich jeder klangrauschenden Sentimentalität enthielt. Der süditalienische Maestro bewies eine gute Hand für die Ton-Poesie und leichte Dramatik in den Werken des Walzerkönigs Johann Strauß; im melancholisch-süßen Walzer G’schichten aus dem Wienerwald, bei dem Barbara Laister-Ebner im blauen Seiden-Dirndl das Zither-Solo spielte, im bezaubernden Myrthenblüten-Walzer, der mit blumigen Harfenklängen eröffnet wurde, und in den hinreißenden Rosen aus dem Süden war das Tänzerische mit rhythmischer Schärfe durch das Symphonische gebrochen.

Von den sehnsuchtsvoll erblühenden Sphärenklängen im anmutigen Walzer Wiener Fresken des genialen Josef Strauß, des jüngeren Bruders des Walzerkönigs, über den der Schani sagte: „Der Pepi ist der Begabtere, ich bin nur der Populärere“, ließ sich Muti hörbar gern inspirieren; er gehörte mit einem Hauch von Wehmut zu den musikalischen Höhepunkten.

Rasant

Zum Abschluss des offiziellen Programms erklang die fröhliche Schnellpolka Eingesendet von Josef Strauß; als erste Zugabe dirigierte Muti die rasante Polka schnell Unter Donner und Blitz von Johann Strauß. Traditionsgemäß folgten der leider so oft verhunzte Donauwalzer des Walzerkönigs mit dem symphonisch flirrenden Beginn und die vom Publikum bewusstlos beklatschte Hymne für den Schlächter von Mailand, der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater. Jubel.

Elisabeth Hirschmann

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