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Toter Rekrut: Affront bei Besuch der Opferfamilie

Bundesheer zu Hinterbliebenen: "Denken Sie nicht an Rache"

Mitarbeiter des Bundesheeres besucht Opferfamilie und sagt: „keine Rachegedanken“.

Zwei Tage nach der tödlichen Schussabgabe vom 9. Oktober aus einer StG 77, bei der der junge Rekrut Ismail M. (20) in der Albrecht-Kaserne ums Leben kam, stattete ein hochrangiger Mitarbeiter des Bundesheeres (Name der Red. bekannt) der Familie des Opfers einen merkwürdigen Besuch ab. ÖSTERREICH sprach im Beisein der Familienanwälte Ümit Vural und Phlilipp Winkler mit der Schwester des Opfers Hanife M. (23), der Cousine Asuman M. (39) und dem Schwager Deha K. (31) über die tragischen Ereignisse.

ÖSTERREICH: Wie verarbeitet Ihre Familie das Geschehene?

Hanife M.: Wir sind am Boden zerstört. Mein Vater isst und trinkt nichts mehr, meine Mutter weint nur. Ismail hatte seit eineinhalb Jahren eine Freundin, sie hatte am Tag seines Todes Geburtstag. Sie ist auch komplett fertig.

ÖSTERREICH: Wie hat sich das Bundesheer Ihnen gegenüber bisher geäußert?

Deha K.: Ein Heeresmitarbeiter war heute bei uns. Er hat uns zunächst vorgeschlagen, die Begräbniskosten zu zahlen, was wir ablehnten. Obwohl es noch keine Gutachten gibt, sprach er von einem Unfall und jugendlichem Leichtsinn. Dann fügte er noch hinzu: „Finden Sie Frieden, beten Sie für ihn, aber denken Sie bitte nicht an Rache. Er wird maximal zwei Jahre bekommen. Ich bin mir sicher, es war nur ein Unfall. Junge Leute können solche Fehler machen.“

ÖSTERREICH: Wie haben Sie darauf reagiert?

Asuman M.: Wir waren vollkommen sprachlos, dass er uns in so einer Situation Rachegedanken unterstellt und sich über die Ermittlungen äußert, als seien diese bereits abgeschlossen.

ÖSTERREICH: Welche Schritte werden Sie als nächstes setzen?

Winkler und Vural: Wir werden eine genaue Tatrekonstruktion beantragen. Der Beschuldigte soll uns ganz genau zeigen, welche Handgriffe er an diesem Tag getätigt hat. Nur so kann nachvollzogen werden, was passiert ist.                                   

Aylin Simsek, Larissa Eckhardt

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