Koalitionen:

Trickst Rot-Blau Kurz aus?

Hinter den Kulissen wird an Rot-Blau gebastelt.

Zwei Tage vor der Nationalratswahl steigt die Angst in der ÖVP. Die Schwarz-Türkisen befürchten, dass sich nach der Wahl das „Spiel“ von 2000 – nur mit umgekehrten Vorzeichen – wiederholen könnte. Damals hatte sich Wolfgang Schüssel als Nummer drei von der FPÖ zum Kanzler machen lassen.

Sollte SPÖ-Kanzler Christian Kern mit rund 27 Prozent Nummer zwei werden, wollen rote Strategen diesen „Coup“ wiederholen und der FPÖ ein Angebot machen. Vorgespräche zwischen Rot und Blau gibt es jedenfalls seit Mai.

Dieser Hasard würde freilich nur funktionieren, wenn VP-Chef Sebastian Kurz nur knapp 30 Prozent schaffen würde. Was SPÖ und FPÖ derzeit eint: die Abneigung gegen Kurz.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist damit in einer komfortablen Situation. Er könnte den Preis in rot-blauen Koalitionsverhandlungen – gegen die mutmaßliche Nummer eins ÖVP – in die Höhe treiben. Er würde dann von Kern jene Ministerien fordern, die die ÖVP derzeit hat: etwa das Außenamt, das Innenressort und das Finanzministerium.

Sollte Rot-Blau an den SPÖ-Funktionären – die SPÖ Wien stemmt sich etwa dagegen – scheitern, könnte FPÖ-Chef Strache immer noch mit Kurz verhandeln. Die wechselseitige Sympathie der beiden Herren ist zwar enden wollend, aber in den Inhalten könnten sich Kurz und Strache ziemlich rasch einigen, geben Vertreter beider Parteien offen zu. Die Mehrheit der VP-Funktionäre bevorzugt derzeit jedenfalls diese Koalitionsvariante. Für Kurz ist es allerdings ein No-Go, der FPÖ das Außenamt zu überlassen. Die internationale Aufregung wäre zu groß.

Daher hoffen Strategen um Kurz, dass die SPÖ nur Dritte wird und dann auf SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil als neuen SPÖ-Chef. Sollte dieser Worst Case für die Roten tatsächlich eintreffen, würde die ÖVP mit der SPÖ Verhandlungen aufnehmen. Das wiederum könnte den Preis der Blauen wieder nach unten treiben. Aus derzeitiger Sicht ist diese Koalition eher unwahrscheinlich. Sollte das Polit-Wunder eintreten und Kern Erster werden, wären die Chancen für Rot-Schwarz aber wieder intakt – freilich ohne Kurz.

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