Wahl-Insider

Kein Handschlag von Kurz & Kern

Wie sich Kern und Kurz vor und nach dem ORF-Duell geschickt aus dem Weg gingen.

Eigentlich kommen die Spitzenkandidaten bereits einige Minuten vor Start des jeweiligen ORF-Duells ins TV-Studio, um noch ein wenig mit dem Publikum zu plaudern und sich einem gemeinsamen Handshake-Foto zu stellen. Am Mittwoch – vor der dem Duell zwischen SPÖ-Kanzler Christian Kern und VP-Herausforderer Sebastian Kurz war das nicht der Fall. Während Kern vier Minuten vor Start ins TV-Studio kam, erschien Kurz erst 30 Sekunden vor Sendungsbeginn, und so ging sich – leider, leider – nicht einmal mehr ein Foto aus.

Eine ähnliche Szene spielte sich nach dem zivilisierten, aber harten Austausch zwischen dem Roten und dem türkis gewordenen Schwarzen ab:

Der SPÖ-Chef verließ umgehend das Studio und ging in das ORF-Atrium, um dort noch etwas zu trinken und mit seinem Team und Journalisten zu sprechen.

Beide Kandidaten waren mit Munition vorbereitet

Kurz hingegen ließ sich im Studio noch Zeit und erschien erst im Sondergastraum des ORF, als Kern wieder im Gehen war. Szenen mit Symbolkraft, die die persönliche Animosität der beiden Spitzenkandidaten gut darstellen. Die Konfrontation selbst lief aber ruhig ab, obwohl beide Parteichefs viel politische Munition dabei hatten:

Kurz etwa hatte eine Fotomontage von sich und Hitler, die eine Ortsgruppe der SPÖ auf Facebook geteilt hatte, mit – spielte sie aber ebenso wenig aus wie Kern sein vorbereitetes Material über VP-Mandatar Efgani Dönmez. Den Kanzlerkandidaten sei klar gewesen, dass eine „neuerliche Schlammschlacht beiden geschadet hätte“.

Eine Zeichnung von Kerns Tochter als Botschaft

Kern – oder seine Berater – hatten sich allerdings auch etwas Positives einfallen lassen. Auf der Mappe, die der SP-Chef dabei hatte – und publikumswirksam aufschlug –, klebte eine Zeichnung seiner Tochter Carla. Eine klare Botschaft an weibliche Wähler, um das kühle Manager-Image von Kern aufzuweichen und den Kontrast zum „31-jährigen Kontrahenten zu betonen“, sagt ein PR-Experte. Nicht ganz glücklich waren einige Berater von Sebastian Kurz, dass er im Kanzlerduell – es ist mittlerweile sein Markenzeichen – erneut ohne Krawatte erschienen war. Aber: „Beide Lager waren mit ihrem jeweiligen Kandidaten zufrieden“, sagt ein Experte. Und die ziemlich beste Feindschaft konnte kaschiert werden.     

Isabelle Daniel

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