Ex-Berater war nah am Kanzler dran

Krimi um Silberstein: Insider packt aus

Im Silberstein-Skandal lichten sich die Nebel. Der Berater war näher am Kanzler dran, als es diesem jetzt lieb sein kann.

Kanzler Christian Kern (SPÖ) spielt die Rolle Tal Silbersteins in der SPÖ-Kampagne herunter – kein Wunder im Wahlkampffinale. Ein Insider beschreibt aber jetzt für ÖSTERREICH, wie wichtig der „Spin-Doktor“ für die Kampagne war. Und dass Silberstein Kern persönlich beriet – und zwar auch im Zuge von mehreren ­Terminen im Kanzleramt.

Morgensitzung

„Jeden Tag um 8.30 Uhr trafen sich alle an der Kampagne Beteiligten in der Löwelstraße zur Morgensitzung.“ Dabei sei es an sich, so der SPÖ-Insider, um das tägliche Geschäft gegangen. „Silberstein war stets dabei, wenn er in Wien war.“ Dabei habe es Silberstein verstanden, die Agenda der Treffen zu bestimmen: „Er hat durchgesetzt, was konkret zu tun ist. ,That’s important, we have to do thisʼ, hat er dann gesagt. Dabei war Silberstein eigentlich nur für Umfragen und Daten zuständig.“

Lautstark und dominant

„Er war dann aber sehr dominant. Wenn er es für nötig befunden hat, ist er auch laut geworden. Er verfügt über ein breites Spektrum an Strategien, um seine Absichten durchzusetzen.“ Außerdem sei Silberstein auf den Daten gesessen: „Er hatte somit die Deutungshoheit.“

Kerns Ohr

Laut dem Insider war Silberstein auch keineswegs nur in der Partei tätig. „Wenn er in Wien war, hat er öfter Termine im Kanzleramt gehabt und Kern auch persönlich getroffen“, weiß der SPÖ-Mann. Laut ÖSTERREICH-Recherchen hatte ­Silberstein ja auch eine Verbindungsfrau im Kanzleramt gehabt: Victoria Sölle, die Terminreferentin des Kanzlers. Von den Hetz-Facebook-Seiten gegen Kurz habe man zumindest in der Partei selbst nichts gewusst, so der Insider. Als die ÖVP sich im Juni darüber aufregte, hätten sogar SPÖ-Mitarbeiter recherchieren müssen, wer für „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“ verantwortlich gewesen sei. Niemand ist damals auf Paul Pöchhacker, einen SPÖ-Mitarbeiter und Kern-Vertrauten, gekommen, der bei der Dirty Campaign mitgearbeitet hatte und inzwischen suspendiert ist.

Getestet

Noch etwas weiß der SPÖ-Mann: Just jene Slogans, die Kurz plakatiere („Für uns alle“), hatte die SPÖ – aus Tarnungsgründen mit dem Konterfei von Kurz! – in Umfragen abgetestet. Ob das Zufall sei, könne er aber nicht sagen, so der Insider.

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