Das sagt Österreich

Alles läuft für Kurz – SP und FP müssen 
jetzt aufwachen

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Halbzeit im Rennen um den Kanzler und die nächste Regierung. Genau 77 Tage ist es her, seit Sebastian Kurz Neuwahlen angesagt hat – und 77 Tage sind es noch bis zum Wahltag.

In einer ersten Wahlkampf-Bilanz gibt es zwei Gewinner: Kurz und Peter Pilz. Die zwei ursprünglichen Favoriten – Christian Kern und HC Strache – sind schwer außer Tritt und wurden von Kurz bisher an die Wand gespielt. Und die Grünen wurden von Peter Pilz fast schon ins Koma befördert – sie werden ums Überleben im ­Nationalrat kämpfen müssen.

Sebastian Kurz hat in diesem Wahlkampf bisher alles richtig gemacht. Er macht mit der ÖVP seither, was er will. Er setzt ihr seine Wunsch-Kandidaten vor die Nase: Vom Ex-Grünen über die Opernball-Lady bis zur heldenhaften Kira Grünberg.

Kurz hat mit seinen – rechtspopulistischen, aber mehrheitsfähigen – Ansagen zum Stopp des Flüchtlingsstroms dem einst bei der Sicherheit allein agierenden Strache den Wind aus den Segeln genommen. Der 30-jährige VP-Star ist bisher fast der Einzige, der die Themen vorgibt.

Strache wird sich anstrengen müssen, will er noch gewinnen. Bisher ist der FP-Chef viel zu defensiv, zu leise, kaum präsent. Kurz hat ihm Flüchtlings-Thema und Steuer-Ansage gestohlen – vorerst bleibt Strache nur die „Ich-auch“-Rolle. Für einen Wahlsieg zu wenig – für einen Platz in der nächsten Regierung wird’s reichen.

Kanzler Kern dagegen muss um seinen Verbleib kämpfen. Er muss seinen Wahlkampf alleine führen – in der SPÖ und im Team regiert das Chaos. Der anfangs so mutige Kanzler muss die Kraft finden, sich von seiner komatösen Partei, die keiner mehr will, loszusagen. Kern kann nur noch mit seinem Kanzler-Bonus, den Sympathiewerten, aber auch mit seinen unbestrittenen Management-Fähigkeiten gewinnen.

Im Direkt-Duell mit Kurz kann Kern sowohl in den TV-Duellen als auch mit seiner Wirtschafts-Kompetenz gewinnen. Aber das ist auch schon seine letzte Chance – denn derzeit läuft alles für den schwarzen Junior und seinen Neustart, den er verspricht – und nach dem sich dieses Land so sehnt.

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