Polit-Insider

Noch 77 Tage bis zur Wahl - bis auf Kurz alle nervös

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Nur noch 77 Tage bis zur Wahl – und vor allem bei SPÖ und FPÖ steigt die Nervosität. Der 30-jährige Sebastian Kurz tanzt Kanzler Kern und Oppositionschef Strache derzeit auf der Nase herum.

Kurz schwimmt im Geld – und auf Welle der Euphorie

Sebastian Kurz führt – vorerst – einen nahezu perfekten Wahlkampf. Er kann sich der Fans (schon über 100.000 auf seiner Seite) und der Spenden (die ÖVP rechnet schon mit bis zu 15 Millionen Wahlkampfbudget, darf aber nur 7 Millionen ausgeben) kaum erwehren.

  • Mittlerweile stehen fast alle Wirtschafts-Kapazunder­ – von KTM-Pierer bis Sigi Wolf, von Rauch bis Mateschitz, von Lauda bis Benko (der originellerweise von SPÖ-Gusenbauer beraten wird) – auf der Seite von Kurz. Das Promi-Komitee, das erst im September präsentiert wird, hat enormen Zulauf – dort wird sich halb Österreich finden.
  • Im Gegensatz zu SPÖ und FPÖ hat Kurz seine Wahl-Kampagne praktisch fertig: 90 % der Listen-Kandidaten, die er präsentieren will, sind fix. Eine große Österreich-Tour im September ist fertig geplant. Der Wahlkampf-Start in der Wiener Stadthalle (exklusiv vermeldet bei Isabel Daniel im Polit-Insider) wird zur Sensation. Danach wird es die größte Wahlkampagne aller Parteien geben.
  • Die Partei ist im absoluten Stimmungshoch. Alle in der ÖVP wollen für Kurz und „ihre“ lokalen Kandidaten rennen, weil man jeden ­Kandidaten mit ein paar ­tausend Vorzugsstimmen ins Parlament bringen kann – was vor allem die „Junge ÖVP“ nützen will.
  • Sebastian Kurz gönnt sich ab heute erstmals eine Woche Pause in Kroatien – „Sporturlaub“ an der Dalmatinischen Küste – und steigt dann mit 7. August in den Wahlkampf ein.

Kern im Wahlkampf-Chaos – jetzt strafft er die Zügel

Christian Kern dagegen muss ab morgen – nach Kurz-Urlaub in Sardinien und bei den Salzburger Festspielen – erst einmal kräftig aufräumen. Sein Wahlkampf-Team befindet sich im Chaos. Kampagnen-Leiter Stefan Sengl hat hingeschmissen, weil ihm angeblich zu viele ­Möchtegern-Berater in die Planung hineingeredet haben. Zuletzt war sogar Haiders Polit-Clown Stefan Petzner als Berater im Gespräch.

Jetzt zieht Kern die Zügel selbst straff. Kampagnen-Chef wird sein neuer Kanzler-Sprecher Johannes Vetter, der bis vor Kurzem bei der OMV als bester Unternehmenssprecher des Landes galt. Vetter wird nun mit Kern persönlich die SPÖ-Kampagne neu aufstellen.

  • Die komplette SPÖ-Werbung wird auf Kerns Kanzler-Persönlichkeit (Motto: „Der bessere Kanzler“) fokussiert. Dazu wird Kern auf seine Stärken – die sozialen Themen (von Pflege bis Aufschwung) – setzen, also ­einen „Geldbörserl-Wahlkampf“ führen.
  • Vetters Strategie ist es, neben Kern auch noch Hans Peter Doskozil (für die Sicherheitsthemen) und Pamela Rendi-Wagner (für die Frauenthemen) in den Wahlkampf zu schicken. Im Hintergrund wird Thomas Drozda als Mastermind fungieren.

Kanzler Kern arbeitet ab sofort also nur mehr mit dem engsten Team, während Partei-General Georg Niedermühlbichler die SPÖ auf Trab bringen soll. Eine fast hoffnungslose Aufgabe – umso mehr als der SPÖ das Geld fehlt und sie vermutlich mit maximal 6 Millionen Euro von allen Großparteien das geringste Budget haben wird.

Große Hoffnung der SPÖ: Dass Kanzler Kern die TV-Duelle souverän gewinnen wird, und das Wahlkampf-­Finale auf die Frage „Wer ist der bessere Kanzler und garantiert Stabilität und sichere Jobs“ zuspitzen kann. Dann, so Vetter, „kann und wird Kern gewinnen“.

Straches Problem: Partei ist noch weggetreten

Auch HC Strache ist ab morgen wieder im Einsatz – und steht vor einer Wahlkampf-Baustelle. Seine FPÖ ist bisher überhaupt nicht in die Wahlkampf-Gänge gekommen – wirkt wie gelähmt und außer Form. HC Strache hat sich in Ibiza zwei Wochen totale Auszeit gegönnt – und kehrt jetzt mit einem dicken Notizbuch voller Wahlkampf-Strategie vom Pool an den Schreibtisch zurück.

Die FPÖ will nun doch einen klaren Sicherheits-Wahlkampf führen, fast alles auf die Karte „Flüchtlinge, Terrorangst und Zuwanderung“ setzen – und Strache als den „verlässlichen Reformer“präsentieren. Sprich: Wer einen Neustart will, muss Strache in die ­Regierung wählen.

Obwohl vor dem Wahlkampf-Start fast pleite, hat die FPÖ über Kredite doch ein Wahlkampf-Budget von fast 10 Millionen Euro zusammen gekratzt – will „die gesamte Power“ aber erst in den letzten vier Wochen ab 15. September einsetzen. Dann soll es zur Plakat-Schlacht Strache gegen Kurz um Platz 1 kommen – die Kanzler-Partei SPÖ sieht die FPÖ intern bereits auf Platz drei.

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