Klage gegen "Krone"-Chef

Fliegt jetzt Dichand aus der "Krone"?

Früher als erwartet hat die WAZ/Funke-Gruppe die Klage gegen Dichand eingebracht.

Der Eigentümerstreit um die Kronen Zeitung wird immer dramatischer. Wie von ÖSTERREICH vor vier Wochen exklusiv berichtet, hat die WAZ/­Funke-Gruppe gegen Christoph Dichand eine Klage auf Abberufung als Chefredakteur und Herausgeber eingebracht.

Am Freitag bestätigte das Wiener Handelsgericht, dass die Klage tatsächlich schon seit mehr als einer Woche eingebracht ist und demnächst ein Verhandlungstermin festgesetzt wird. In der Klage fordert die WAZ/Funke-Gruppe über ihre Österreichfirma NKZ, die die Krone-Anteile verwaltet, die Abberufung Christoph Dichands als Herausgeber wie auch als Chefredakteur der Krone „mit sofortiger Wirkung“ – verbunden mit einem Betretungsverbot aller Krone-Betriebsstätten.

Der Vertreter der WAZ/Funke-Gruppe hatte die sofortige Entlassung von Dichand bereits in einer Gesellschafterversammlung am 22. März gefordert, war dort aber an der Gegenstimme des Dichand-Vertreters gescheitert. Bei einem 50:50-Votum konnte die von der WAZ gewünschte Beauftragung, Dichand noch am selben Tag zu entlassen, nicht erfolgen. Dichand blieb im Amt, veröffentlicht in der Krone seither täglich flammende Appelle für die „Unabhängigkeit“.

Die nun vorliegende Klage ist explosiver als gedacht:

  • Es geht nur am Rand um ­Dichands Verfehlungen – die Benützung von Privatjets für Urlaube und angeblich falsch abgerechnete Spesen.
  • Vielmehr behaupten die Kläger, dass Dichands Entlassung durch die Gesellschafterversammlung am 22. März rechtens war, weil Dichand selbst mit seinem 12,5-%-Anteil bei einer ihn betreffenden Entlassungsklage nicht hätte mitstimmen dürfen. Stimmt das Gericht dieser Rechtsansicht zu, wäre Dichand abberufen.
  • Es kommt noch brisanter: Als Höhepunkt ihrer Klage behauptet die WAZ, die Familie Dichand habe seit Jahresbeginn nur noch eine Minderheitsposition und damit kein Blockaderecht mehr. Die Begründung ist unglaublich: Angeblich hätten die Dichand-Anwälte bei der Aufteilung des Dichand-Erbes den Fehler gemacht, die Krone-Stammein­lage des Vaters von dazumal 250.000 Schilling zu vierteln – auf je 62.500 Schilling (oder je 12,5 %) für jedes Familienmitglied. Da aber laut Gesellschaftervertrag nur „je 1.000 Schilling eine Stimme“ haben, würden dadurch die Dichand-Stimmen in der Krone auf 248 Stimmen schmelzen – die Dichands hätten plötzlich um zwei Stimmen weniger und damit kein Patt mehr. Das wäre dramatisch.

Laut Anwälten hat die WAZ-Klage sehr gute Chancen

Denn das würde bedeuten, dass die WAZ in Zukunft alle Entscheidungen in Sachen Krone alleine treffen kann. Ohne Dichand-Veto. Dichands Anwälte bestreiten die WAZ-Klage vehement: Die Spesen seien alle „gerechtfertigt“ gewesen, Dichand dürfe im Fall einer Herausgeberabberufung „ganz sicher“ mit seinen 12,5 % mitstimmen, und der Verlust der zwei Stimmen sei unbedeutend, weil in der Krone-Gesellschafterversammlung nur zwei Einzelvertreter abstimmen würden.

Mehrere von ÖSTERREICH befragte Topanwälte sehen die Klage für Dichand freilich – einhellig – viel dramatischer:

  • Gelingt es der WAZ, den Prozess zur reinen „Feststellungsklage“ über die Stimmrechtssituation zu machen und die Frage der Spesen (die ein jahrelanges Verfahren nach sich ziehen würde) außen vor zu lassen, könne es gleich in der ersten oder zweiten Verhandlung, jedenfalls noch vor dem Sommer, ein Urteil geben.
  • Bei diesem Urteil hätte die WAZ nach Meinung unabhängiger Anwälte „durchaus gute Chancen“. Die fast einhellige Meinung: Dichand dürfe als direkt Betroffener laut Gesellschaftsrecht bei seiner eigenen Entlassung nicht mitstimmen. Aber, sagt ein Topanwalt: „Das Urteil wäre bombensicher für die WAZ, wenn es nicht auch um die vertraglich vereinbarte Position des Herausgebers ginge – für jeden Richter eine heikle Situation.“

Noch klarer scheint allen Anwälten die Frage der Stimmrechte. Einhelliger Tenor: „Ist jede Stimme tatsächlich an volle 1.000 Schilling gebunden, hat die Gruppe Dichand definitiv zwei Stimmen verloren – und dann hat der Vertreter der Dichands mit 248 Stimmen um zwei Stimmen weniger als die Mehrheit. Dann gewinnt jener Vertreter, der 250 Stimmen hat – also die WAZ.“

Dichand hat die Dramatik der Situation bereits erkannt – ihm droht jetzt tatsächlich die Abberufung als Krone-Chef noch vor dem Sommer. Ein Insider der Krone-Redaktion berichtet: „In der Kronen Zeitung herrscht Ausnahmezustand und extreme Nervosität. Alle wissen, dass vielleicht schon bald der Tag X kommt, an dem Dichand das Haus nicht mehr betreten darf.“

Der Insider fasst die Stimmung der Redaktion zusammen: „Eine klare Mehrheit ist in dem Fall ­dafür, in den Streik zu treten. Heißt: Ab dem Tag, an dem Dichand abberufen wird, gibt es keine Krone mehr.“

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