Euphorie am Ende

Der unaufhaltsame Fall des Bitcoin

Die Kryptowährung stürzte innerhalb von 12 Monaten um 80 Prozent ab.

Die Kryptowährung Bitcoin erreichte das Allzeithoch und kratzte an der 20.000 US Dollar-Marke. Durch den Rekordstand erreichte die Mutter aller Kryptowährungen einen neuen Höhepunkt, der dafür sorgt, dass sich auch Finanzanalysten vom Krypto-Fieber anstecken lassen. "Die Kursrally ist erst der Anfang", lauteten damals einige Prognosen. Die Euphorie hielt jedoch nicht lange an. Heute befindet sich der Bitcoin bei 3.400 US Dollar - die Kryptowährung stürzte innerhalb von 12 Monaten um 80 Prozent ab.

Wird sich der Bitcoin erholen?

All jene, die gegen Ende des vergangenen Jahres, als der Bitcoin bei der 20.000 US Dollar-Grenze lag, in die Kryptowährung investierten, werden es heute mit Sicherheit bereuen. Doch kann der Bitcoin nach dem Jahr 2018 tatsächlich abgeschrieben werden? Wer sich mit der Geschichte der digitalen Währung befasst, der wird relativ schnell feststellen, dass es immer wieder Berg- und Talfahrten gegeben hat. Der Bitcoin wurde schon mehrfach für tot erklärt, konnte sich am Ende aber immer wieder erholen und für unglaubliche Comebacks sorgen.

So stürzte der Bitcoin im Jahr 2011, als das Rekordhoch von 30 US Dollar erreicht wurde, auf 3 US Dollar ab. 2013 feierte die Kryptowährung ihr Comeback und knackte erstmals die 1.000 US Dollar-Grenze. "Wir gehen davon aus, dass der Boom bald enden wird", war im "Economist" zu lesen. Auch gab es einige Analysten, die der Meinung waren, "ein Muster einer aggressiven Spekulationsblase" erkennen zu können. Auch wenn der Bitcoin wieder abstürzte (200 US Dollar), so folgte 2017 dann das absolute Rekordjahr.

Natürlich ist die Talfahrt, die im Jahr 2018 beobachtet werden musste, nicht mit den Szenarien aus den Jahren 2011 und 2013 zu vergleichen. Der Schaden, der in den letzten zwölf Monaten entstanden ist, darf nicht unterschätzt werden, weil eben in den letzten zwei Jahren extrem viele Menschen wie auch Unternehmen und Institute in den Bitcoin sowie in die dazugehörige Technologie investierten.

Krypto-Fans müssen vorsichtig sein

Der Hype war zeitweise derart groß,  dass Unternehmen sogar einen höheren Börsenwert erzielen konnten, sofern sie den Namen dahingehend änderten, dass man meinen konnte, es würde eine Verbindung zum Bitcoin oder der Blockchain bestehen. So war es Long Island Iced Tea, einer gewöhnlichen Getränkefirma, möglich, den Aktienkurs zu verdreifachen - der Name des Unternehmens wurde nämlich in "Long Blockchain Corp" geändert. Doch auch wenn man sich zu Beginn noch über einen satten Gewinn freuen durfte, so folgte wenig später der Totalabsturz. Derzeit bewegt sich das Wertpapier zwischen 0,12 und 0,15 US Dollar.

Es waren auch umstrittene Werbeaktionen von Mike Tyson, Paris Hilton oder anderen Promis, die den Krypto-Boom befeuert haben. So wurden erst vor kurzem Hip Hop-Produzent DJ Khaled und der ehemalige Box-Weltmeister Floyd Mayweather von der US Börsenaufsicht wegen unlauterer bezahlter Promotion für dubiose Geschäfte mit Kryptowährungen zu Geldstrafen verurteilt. Über ihre Social Media-Kanäle bewarben sie "Initial Coin Offerings (ICO)", legten dabei aber nicht offen, dass sie für die Werbung Geld bekommen haben.

Und auch andere findige Geschäftemacher versuchen, am Bitcoin Hype mitzuverdienen: Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn es um ein Angebot mit sogenannten Bitcoin Robots mit kreativen Namen wie Bitcoin Loophole, Cryptosoft oder Bitcoin Revolution geht. Zu einem "Investment" über ein solches automatisiertes Handelssystem sollte man auf keinen Fall greifen, denn in der Regel steckt dahinter Betrug und es verdient nur einer: Der Anbieter!

Allianz-Manager will Kryptowährungen verbieten lassen

Und auch Politik und Industrie mischen sich ein: So meldete sich nun auch Andreas Utermann, der Allianz Global Investors-Chef, zu Wort: "Ich bin wirklich überrascht, dass es von Seiten des Aufsichtsbehörden kein härteres Durchgreifen gab". Utermann sprach sich im Zuge einer Podiumsdiskussion in London auch dafür aus, Kryptowährungen zu verbieten. "Anleger haben, weil sie eben in Kryptowährungen investiert haben, extrem viel Geld verloren".

Andrew Bailey, Chef der Financial Conduct Authority (kurz: FCA), der britischen Aufsichtsbehörde, bezeichnete Utermanns Aussagen als "harsch". Jedoch verwies Bailey darauf, dass man sich bewusst sein müsste, dass Kryptowährungen keinen wirklichen Wert hätten. "Wir beobachten den Kryptowährungsmarkt ganz genau und verfolgen auch die Geldaufnahme von den Unternehmen durch die Ausgabe der Coins", so Bailey. Ab Juni 2019 will die Aufsichtsbehörde ein Regelwerk für Geschäfte mit digitalen Währungen verabschieden, um noch stärker vorgehen zu können, wenn es um die Bekämpfung von Geldwäsche geht.

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