150.000 Arbeitslose wegen Corona: Jetzt sprechen Betroffene

Zunahme von 1.500 Prozent

150.000 Arbeitslose wegen Corona: Jetzt sprechen Betroffene

Die Corona-Krise wirkt sich auf den österreichischen Arbeitsmarkt verheerend aus.

Beim Arbeitsmarktservice (AMS) in ganz Österreich stehen die Telefone nicht still, laufen die Server auf Hochtouren, quillen die Online-Meldestellen über. Pro Tag gibt es mehr als 3.000 neu gemeldete ­Arbeitslose in Österreich. Seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie gibt es vom 15. bis 24. März zusammengerechnet um 153.100 mehr registrierte Arbeits­lose , sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Mittwoch.

Den größten Anstieg habe es im Bereich Gastronomie mit rund 51.000 Personen gegeben, gefolgt von der Baubranche mit 19.200 Personen und den sonstigen Dienstleistungen – vor allem Zeitarbeit – mit knapp 15.000 Personen. Ende Februar ­waren in Österreich rund 400.000 Personen ohne Job.

In der Praxis bedeutet das für die Mitarbeiter des AMS einen extremen Arbeitsaufwand. Wie Sprecherin Beate Sprenger gegenüber ÖSTERREICH erklärt, habe es einen derartigen Ansturm auf das österreichische Arbeitsmarktservice noch nie ge­geben. Das bestätigt auch ­Sebastian Paulick vom Wiener AMS: „Es gibt sehr, sehr viele Neuanmeldungen.“

Allein 60.000 Anrufe bei AMS-Hotline in Wien

„Es gab bisher mehr als 60.000 Anrufe bei unserer Hotline“, erklärt auch Irene Holzbauer von der Wiener Arbeiterkammer. Das Hauptthema sei dabei die Kurzarbeit, die derzeit von Tausenden Unternehmen in Österreich beantragt wird. Aber, so Holzbauer, viele ­Arbeitgeber würden ihre Angestellten in Panik kündigen. Da widerspricht etwa Bar-Chef David Schober, des Wiener In-Lokals Kleinod: „Wir können uns Kurzarbeit nicht leisten“, erklärt er in Österreich. Er musste jetzt seine Mit­arbeiter „schweren Herzens“ beim AMS anmelden. Christoph Sailer vom Gulasch­museum sperrt gleich ganz zu. Sechs Mitarbeiter sind gekündigt worden.

Kellnerin Eveline Brust kämpft mit ihrer Chefin gemeinsam um den Erhalt ihres Jobs – und das Segafredo-Kaffeehauses im Shoppingcenter Huma Eleven in Wien. Ein positives Beispiel für den Zusammenhalt zwischen Chefs und Mitarbeitern in Zeiten der Krise.

Eveline Brust, Kellnerin, Wien: "Stehe vor der Arbeitslosigkeit"

Die Mitarbeiterin der Caffetteria Segafredo im Einkaufzentrum Huma Eleven ist verzweifelt. Ihre Arbeitgeberin versucht seit ­Tagen vergeblich bei Banken an Überbrückungskredite oder an staatliche Fördergelder zu kommen, um die Mit­arbeiter ihrer insgesamt sieben Betriebe nicht kündigen zu müssen. Eveline Brust unterstützt ihre Chefin dabei, da diese zur Corona-Risikogruppe gehört. Brust: „Es ist ein Spießrutenlauf. Man wird von einer Stelle an die andere verwiesen. Niemand kennt sich aus.“

Wenn nicht schnell etwas geschehe, so die Wienerin, bliebe ihrer Chefin nichts anderes übrig, als die Mitarbeiter zu kündigen: „Und dann stehe ich ohne Job da.“

© zVg

Barbesitzer David Schober: ''Können uns Kurzarbeit nicht leisten"

Der Besitzer der Bars Kleinod und des eben erst eröffneten Kleinod Prunkstücks in der Wiener City hat seine Mitarbeiter schweren Herzens beim AMS angemeldet. „Die Kurzarbeit würde uns 10.000 Euro pro Monat kosten. Das ist jetzt in der Gründungsphase nicht möglich“, so David Schober. Aber, ergänzt er, jeder Mitarbeiter habe die schriftliche Zusage einer Wiedereinstellung, wenn die Krise vorbei ist.

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Besitzer von "Gulaschmuseum" Christoph Sailer: "Schließe meinen Betrieb endgültig"

Der Besitzer der Bars Kleinod und des eben erst eröffneten Kleinod Prunkstücks in der Wiener City hat seine Mitarbeiter schweren Herzens beim AMS angemeldet. „Die Kurzarbeit würde uns 10.000 Euro pro Monat kosten. Das ist jetzt in der Gründungsphase nicht möglich“, so David Schober. Aber, ergänzt er, jeder Mitarbeiter habe die schriftliche Zusage einer Wiedereinstellung, wenn die Krise vorbei ist.

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