25-Jähriger musste 16 Stunden neben totem Vater ausharren

Schwere Vorwürfe gegen Behörden

25-Jähriger musste 16 Stunden neben totem Vater ausharren

Zu spät auf Notruf reagiert und Leichnam nicht abgeholt: Ein 25-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe gegen die spanischen Behörden.

Neben Italien ist vor allem Spanien derzeit massiv von der Corona-Krise betroffen. Die Zahl der Todesopfer überholte bereits jene Chinas. Nach Angaben der Regierung in Madrid vom Mittwoch starben 3.434 Menschen an Covid-19. Binnen eines Tages waren 738 Opfer hinzugekommen. Trotz der strikten Ausgangssperre stieg die Zahl der Infizierten auf 47.610 an. Erstmals starben auch zwei Ärzte.

Das spanische Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Wie schlimm die Situation derzeit ist, verdeutlicht das Erlebnis von Luis Fernando Chuquispuma. Der 25-jährige Peruaner soll in Madrid ganze 16 Stunden neben der Leiche seines Vaters ausharren müssen, ehe die Behörden den Toten abholten.

© Getty Images

Alles begann am Wochenende, als der 79-Jährige hohes Fieber bekam. Luis meldete dies sofort bei der offiziellen Notfallnummer. Auch der 25-Jährige hatte Fieber, allerdings stand es um den immunschwachen Vater wesentlich schlimmer. "Er hatte Schüttelfrost und war sehr schwach", sagt er der spanischen Zeitung "El Mundo". Am Montag kam dann auch noch starker Husten hinzu und am Dienstag bekam sein Vater schließlich nur mehr sehr schwer Luft. Nochmals rief Luis bei der Notfallnummer an. Sie versprachen einen Rettungswagen samt Sauerstoffflasche zur Wohnung der beiden zu schicken. Allerdings könne dies ein oder zwei Stunden dauern, hieß es bei der Hotline. Doch auch aus den zwei Stunden wurde nichts. "Der Sauerstoff kam nie an", erzählt Luis.

Am Dienstagabend rief er nochmals bei der Hotline an. Hier wurde ihm geraten, dass er seinen Vater nicht hinlegen soll. Das würde ihm das Atmen nur mehr erschweren. Und dann begann der Horror. "Ich saß neben ihm auf dem Sofa und hielt seine Hand. Seine Atmung wurde immer lauter. Um 0.40 Uhr wurde es dann plötzlich ganz still", schildert er.

Als er realisiert hatte, dass sein Vater gestorben ist, rief er die Polizei. Anschließend kam auch eine Ärztin um die Todesurkunde auszustellen und ging dann aber wieder. Luis legte seinen toten Vater schließlich aufs Bett und rief bei einer privaten Bestattungsfirma an, damit diese die Leiche abholen. Eigentlich ist dieser Dienst kostenlos, doch als Luis nachfragte nicht. "Die Firma wollte 2.700 Euro. Sie haben mir sogar Formulare via Mail geschickt und sagten, ich könne die Summe in drei Raten bezahlen", erzählt er.

Als wäre diese Abzocke nicht schon dreist genug, gab es ein weiteres Problem: Luis konnte die Formulare nicht persönlich einreichen - schließlich war er selbst an dem Coronavirus erkrankt. Er musste sich also zuerst an eine Hilfsorganisation wenden. Erst durch ihr Eingreifen wurde die Leiche seines Vaters abgeholt. Zwischen dem Tod seines Papas und dem Eintreffen der Bestatter lagen ganze 16 Stunden.

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