Erste Stadt könnte Corona-Durchseuchung erreicht haben

Laut Studie:

Erste Stadt könnte Corona-Durchseuchung erreicht haben

Eine Herdenimmunität würde das Ende der Pandemie und der Corona-Beschränkungen bedeuten - Nachahmenswert ist die Strategie dennoch nicht.

Eine neue internationale Studie legt nahe, dass Manaus in Brasilien, die erste Stadt der Welt sein könnte, die eine Art Herdenimmunität gegen das Coronavirus entwickelt hat. Mehr als 30 Epidemiologen, Virologen und Mediziner haben dafür tausende Blutspenden aus den brasilianischen Städten Manaus und Sao Paulo auf ihren Antikörpergehalt untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie auf dem Pre-Printserver medRxiv.org
 
Die Wissenschaftler werteten Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Blut der Probanden als Zeichen dafür, dass diese bereits Kontakt mit dem Erreger hatten und damit zumindest für eine gewisse Zeit immun gegen eine weitere Ansteckung sind.

Etwa zwei Drittel der Einwohner machten Infektion durch 

Das Ergebnis der Untersuchung war, dass etwa zwei Drittel der Stadtbewohner bereits wissentlich oder unwissentlich eine Infektion durchgemacht haben. Damit wäre genau jener kritische Anteil erreicht, den Wissenschaftler zu Beginn der Pandemie genannt haben, um einen natürlichen Schutzmechanismus in der Bevölkerung zu bewirken, dass sich das Virus nicht mehr ausbreiten kann. In Manaus könnte dieser kritische Wert jetzt erreicht sein, wie "Focus.de" berichtet.
 
Anders als in Europa gab es in der brasilianischen Großstadt mit 1,8 Millionen Einwohnern keinen Lockdown oder andere strikte Maßnahmen gegen das Coronavirus. Das bedeutete aber immense Opferzahlen. Am ersten Höhepunkt der Pandemie verstarben bis zu 100 Menschen pro Tag an Covid-19. Das Gesundheitssystem stand wegen der vielen Infizierten am Limit. 

Felder von Särgen der Corona-Toten

Manche Kliniken mussten die Leichen der Verstorben zwischenzeitlich in Kühlcontainern aufbewahren, weil die Bestatter nicht mehr mit ihrer Arbeit hinterherkamen, wie "Daily Mail" berichtet. Fotos zeigen gigantische Felder, wo die Särge der Corona-Toten massenhaft in die Erde gelassen werden. Blaue Kreuze markieren die letzte Ruhestätte der Verstorbenen.
 
Inzwischen sind die Zahlen in Manaus im Vergleich zum restlichen Brasilien deutlich zurückgegangen. Könnte sein, dass das am Effekt der Herdenimmunität liege - muss aber nicht sein, so Experten. 
 
"Die Zahl der untersuchten Probanden ist sehr klein im Vergleich zur Bevölkerung – und es handelt sich nicht um eine repräsentative Stichprobe", sagt Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig gegenüber "Süddeutschen Zeitung". Deshalb sollten die Ergebnisse der Antikörperstudie nicht vorschnell auf andere Orte übertragen werden – wenngleich der Zwei-Drittel-Anteil an immunen Personen ins Bild passen könnte.
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