Ausgangssperre in Tirol: ''Das habe ich zuletzt im Krieg erlebt''

So lebt es sich in abgesperrten Gebieten

Ausgangssperre in Tirol: ''Das habe ich zuletzt im Krieg erlebt''

ÖSTERREICH-Reporter sprachen mit Menschen aus dem Corona-gebeutelten Bundesland. Die Straßen in Tirol sind menschenleer.

Die Landeshauptstadt Innsbruck ist am Nachmittag trotz Sonnenschein ungewöhnlich leer. Ab und zu sieht man jemanden mit einem Hund. oe24.TV-­Moderatorin Denise Neher ist froh über die Maßnahmen: „Meine Verwandten sind extrem besorgt, viele haben sich schon davor in freiwillige Quarantäne begeben.“ In ihrem Bekanntenkreis sind einige positiv auf Corona­viren getestet worden, „da überlegt man schon, mit wem man noch Kontakt hatte“.

Video zum Thema: oe24-Moderatorin in Tiroler Quarantäne
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Nichts offen

Auch Kufstein ist beim Lokalaugenschein von ÖSTERREICH-Reporter Mike Vogl menschenleer. Ein paar Jugendliche genießen die Sonnenstrahlen. Kein Shop, kein Lokal hat offen. Nur die Tankstelle. Ein älterer Mann sagt uns: „Das habe ich zuletzt im Krieg erlebt.“

Video zum Thema: oe24 berichtet aus Tirol
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Jetzt gilt absolute Ausgangssperre

Eine derart drastische Einschränkung des öffentlichen Lebens hat in Österreich bisher kaum wer erlebt. Sonntag um 11.06 Uhr kündigte Tirols VP-­Landeshauptmann Günther Platter eine Ausgangssperre für das gesamte Bundesland an. Es war nötig geworden, weil Tirol am schlimmsten von Corona-Infektionen betroffen ist: 254 Kranke waren es Sonntagnachmittag.

© APA/EXPA/ERICH SPIESS
LH Platter und seine Vize-Landeshauptfrau Ingrid Felipe.

Maßnahmen gelten 
bereits seit Sonntag

Drastisch. „Ich weiß, ich verlange sehr viel von Ihnen: Aber es ist notwendig“, sagte Platter. Start der drastischen Maßnahme war noch am Sonntag. Sofort nach der Ankündigung leerten sich die Straßen des Landes.

Video zum Thema: Ausgangssperre für ganz Tirol
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Ohne Grund darf Wohnung nicht verlassen werden

Die Anordnung in Tirol ist noch weitaus strikter als die im Rest des Landes: Spaziergänge sind hier auch strengstens verboten (bis auf das Gassi­gehen mit dem Hund).

Zunächst soll die „Verkehrsbeschränkung“ – wie es technisch heißt – für eine Woche gelten. „Ohne einen triftigen Grund darf niemand seine Wohnung verlassen“, sagte Platter, „es ist die schwierigste Situation, die Tirol in der Nachkriegsgeschichte je hatte.“

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Die Innsbrucker Innenstadt war trotz Traumwetters am Sonntag menschenleer.

Strafen

Einzige Ausnahmen, so der Landeshauptmann: „Beruflich notwendige Gründe, medizinische Versorgung, Versorgung der Grundbedürfnisse, Rückkehr zum eigenen Wohnort und wenn es berechtigte Gründe zum Verlassen des Landes gibt.“ Die Anreise zur Arbeit ist auch noch erlaubt.

Die Polizei wird die Einhaltung überprüfen. Wer zuwiderhandelt, muss mit einer Strafe von bis zu 1.450 Euro oder vier Wochen Freiheitsstrafe rechnen.

Das Land Tirol ist seit ­gestern völlig abgeschottet

Tirol ist völlig abgeschottet – auch vom Rest Österreichs. „Alle, die nicht über einen Wohnsitz in Tirol verfügen, haben (…) das Landesgebiet Tirol unverzüglich zu verlassen“, steht in der Verordnung.

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Nur vereinzelt sah man Menschen über die Maria-Theresien-Straße spazieren.

Ski-Tourismus als Viren-Turbo: Ein Drittel aller Infektionen in Tirol

Die Zahlen sind eindeutig. Stand Sonntag 15.00 Uhr gab es 254 Corona-Infektionen in Tirol. Die Kurve der Ansteckungen wird immer steiler. Fast ein Drittel aller österreichischen Erkrankten ist hier.

Ein gewichtiger Grund für die Dominanz in Tirol: Das Land ist das Zentrum des Skitourismus, jetzt war gerade Hochsaison. Zu kaum einer anderen Zeit sind Menschen so dicht auf wenig Raum gedrängt.

Die berühmten Après-Ski-Partys waren extreme Viren-Multiplikatoren. Ein Barkeeper steckte 15 Menschen an.

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