Drama im Haus Türkenschanze

180 Senioren fliegen aus ihrem Pensionistenheim

Schwer kranke Senioren müssen aus ihrer geliebten Türkenschanze raus.

Am Mittwoch wurde den 320 hochbe­tagten Bewohnern des Pensionistenheims Türkenschanze von der Leiterin des Heims mitgeteilt, dass 180 von ihnen aus ihren lieb gewonnenen Wohnungen inmitten bester Infrastruktur vom Park bis zum Schanigarten rausmüssen.

Pflegereform

Die Stadt Wien hat in ihrer unnachahmlichen Art wieder einmal „höchste Sensibilität“ bei der Umsetzung einer an sich sinnvollen Reform bewiesen – man will in der Türkenschanze 144 Pflegeplätze schaffen und muss dafür natürlich Platz schaffen. Warum aber ein „Überfall“ nötig war, erklärt man gegenüber ÖSTERREICH so: „Wir wissen erst seit März, dass die Finanzierung des Projekts steht. Hätten wir vorher schon ­einen Aufnahmestopp gemacht, wäre die Stimmung auch hochgekocht.“

„Es ist furchtbar, was sich abspielt. 95-Jährige, die nicht mehr gehen können, sind völlig verzweifelt. Sie wissen jetzt nicht einmal mehr, wo sie in wenigen Monaten leben werden. Da hilft auch nicht, dass man uns gesagt hat, dass jeder von uns einzeln betreut und die Übersiedlung kostenlos ist“, sagt Mieterin Annelie Roth mit rüstigen 75 Jahren, Sprecherin der Heimbewohner.

Entwurzelung

„Da werden in Jahrzehnten gewachsene soziale Strukturen zerstört, Menschen, die die letzte Übersiedlung ihres Lebens hinter sich glaubten, werden entwurzelt. Es gibt ein Geschwisterpaar, beide 90 Jahre alt – eine darf bleiben, die andere muss weg. Was da los ist, kann man nicht beschreiben. Ein Drama“, erklärt Roth. Die grüne Bezirksvorsteherin Ingrid Nossek ist empört und verlangt Gespräche mit Stadtrat Peter Hacker: „Diese Nullinformation ist völlig unverständlich.“ Anita Bauer vom Fonds Soziales Wien erklärt, dass ein Leben auf der Baustelle nicht zumutbar sei: „Die Übersiedlung ist in ihrem eigenen Interesse.“

Zensur-Skandal

Das sah am Freitag kein einziger Senior so, auch wenn die Stadt unfassbarer Weise verbot, dass Journalisten zu den Bewohnern ins Heim gehen dürfen … (Josef Galley)

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