FPÖ spottet mit Marihuana-Fotomontage über Anschober

Wirbel um Facebook-Posting

FPÖ spottet mit Marihuana-Fotomontage über Anschober

Dass sich Sozialminister Rudi Anschober für eine Diskussion zur Legalisierung von medizinischem Cannabis öffnet, schmeckt den steirischen Freiheitlichen überhaupt nicht.

Die FPÖ Steiermark hat sich zuletzt auf den grünen Sozial- & Gesundheitsminister Rudi Anschober eingeschossen. Nachdem dieser gesagt hat, dass er im Sommer einen "Runden Tisch" plane, um eine vernünftige Diskussion über die medizinische Verwendung von Cannabis zu starten, reagierten die Freiheitlichen prompt.

In einer Fotomontage ist Anschober als stereotypischer Rastafari zu sehen, der vor einer Marihuanaplantage steht. Darunter steht: "Und was kommt als Nächstes, Herr Minister? Koks? Meth?"

Urheber des Bildes ist der stellvertretende FPÖ-Klubobmann im steirischen Landtag Stefan Hermann. Er teilte das Bild auch auf seiner Facebook-Seite und schrieb dazu: "Drogen auf Rezept kommt für uns nicht in Frage! Die Gefahr eines Missbrauchs ist zu groß. Marihuana gilt gemeinhin als Einstiegsdroge und ist eine große Gefahr für unsere Jugend!"

Anschober selbst reagierte nicht darauf.

Studie: THC-Cannabisarzneimittel helfen älteren Schmerzpatienten

Dabei gibt es immer wieder Forderungen zu einer Überarbeitung der derzeitigen rechtlichen Sitaution. Zuletzt forderte auch die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖGS) ein Umdenken der restriktiven Bewilligung. THC-Cannabisarzneimittel wie Dronabinol könnten die Lebensqualität von Senioren mit chronischen Schmerzen wesentlich verbessern, berichtete die ÖGS unter Verweis auf eine neue Studie. Diese Therapieoption solle daher gleichermaßen für geriatrische Schmerz- wie für Palliativpatienten "frühzeitig erwogen" und weniger restriktiv als bisher bewilligt werden.

Deutsche Forscher analysierten bei 93 Schmerzpatienten ab dem 80. Lebensjahr (davon rund 45 Prozent Palliativpatienten) Dosierung, Schmerzstärke, Effekte und Nebenwirkungen einer Therapie mit Dronabinol. Dabei wurde in beiden Gruppen eine zusätzliche Schmerzlinderung nachgewiesen.
52,5 Prozent der nicht-palliativen Patienten verzeichneten eine Verbesserung von mehr als 30 Prozent, bei zehn Prozent betrug sie sogar über 50 Prozent. Im Durchschnitt wurden vier Symptome oder unangenehme Nebenwirkungen der Vortherapie positiv beeinflusst. 26 Prozent der Behandelten gaben Nebenwirkungen an. Die Ablehnungsquote durch die Krankenversicherungen betrug bei den nicht-palliativen Schmerzpatienten 39 Prozent und zehn Prozent bei geriatrischen Palliativpatienten. (Palliativmedizin meint die Versorgung schwerkranker Menschen mit einer nicht heilbaren Grunderkrankung durch Schmerzlinderung, Anm.).

"Die aktuelle Studie liefert den Nachweis, dass Dronabinol eine effektive, risikoarme Therapieoption für geriatrische Schmerzpatienten und geriatrische Palliativpatienten darstellt und frühzeitig erwogen werden sollte", sagte ÖSG-Vorstandsmitglied Hans Georg Kress, Vorstand der Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerzmedizin, Medizinische Universität/AKH Wien. Für geriatrische nicht-palliative Patienten werde es aber "in Österreich noch häufiger als in Deutschland von den Kassen nur sehr restriktiv bewilligt. Das sollte im Lichte der neuen Forschungsergebnisse überdacht und geändert werden".

Dronabinol bezeichnet den Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Das psychoaktive Cannabinoid wird üblicherweise gegen Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit eingesetzt, etwa bei Menschen, die an Krebs oder HIV/Aids erkrankt sind, sowie bei schmerzhafter Spastik infolge Multipler Sklerose und Querschnittsyndrom. Zur Schmerzlinderung kann das Mittel seit 2004 verschrieben werden.
 

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