Aber dennoch Kompromiss

EVP schmeißt Orbán vorerst raus

Es ist sozusagen ein Rausschmiss auf Zeit bis die Evaluierung abgeschlossen ist.

Die Mitgliedschaft der rechtsnationalen ungarischen Fidesz-Partei in der Europäischen Volkspartei wird vorerst auf Eis gelegt. Eine Experten-Kommission, darunter auch Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel, soll nun entscheiden, wann und ob die Mitgliedsrechte der Partei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban wieder in Kraft gesetzt werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Ein Austritt von Orbans Partei scheint damit zunächst abgewendet.
 

190 Delegierte stimmten für Suspendierung

Wie aus EVP-Kreisen am Mittwochabend verlautete, wird die Mitgliedschaft von Fidesz mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Die Überprüfung der Partei werde von einer Art Weisenrat bestehend aus dem früheren EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy, Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und dem ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering durchgeführt.

190 Delegierte stimmten demnach für das Einfrieren der Mitgliedschaft, drei dagegen. Während der Suspendierung verliert Fidesz das Stimmrecht und darf auch an Parteientscheidungen nicht mehr teilnehmen.

EVP-Fraktionschef Weber: Ausschluss von Fidesz ist nicht vom Tisch

Ein Ausschluss des ungarischen Fidesz aus der Europäischen Volkspartei (EVP) ist aus Sicht von Fraktionschef Manfred Weber trotz Suspendierung immer noch eine Option. Das "ist nicht vom Tisch, das ist auf dem Tisch", sagte der CSU-Vizechef am Mittwochabend in Brüssel. Es werde viel Zeit nötig sein, um wieder Vertrauen zwischen der EVP und der Fidesz-Partei von Ungarns Regierungschef Viktor Orban aufzubauen.

Erste praktische Konsequenz der Suspendierung sei, dass Orban bereits am Donnerstag nicht mehr am EVP-Spitzentreffen vor dem EU-Gipfel teilnehmen dürfe, sagte Weber weiter. Fidesz habe auch keine Mitsprache mehr über die politische Richtung der EVP und könne keine Kandidaten mehr für politische Ämter in der Partei aufstellen.
 

Fidesz-Suspendierung für Karas "letzte Chance"

Für den ÖVP-Spitzenkandidaten bei der EU-Wahl, Othmar Karas, ist die Suspendierung der ungarischen Fidesz eine "letzte Chance". "Das ist die letzte Chance, aber wirklich die letzte", sagte Karas am Mittwochabend bei einer Diskussion mit den Kandidaten der anderen Parteien im ORF-RadioKulturhaus. Während SPÖ, Grüne und JETZT das Vorgehen der EVP als zu lasch kritisierten, bot die FPÖ Fidesz eine Zusammenarbeit an.

Karas meinte, dass für die Dauer der Suspendierung ein Überprüfungsverfahren geführt werden müsse. Er werde sich nun ansehen, unter welchen Bedingungen die Suspendierung ausgesprochen wurde und wie lange sie dauere. Innerhalb der Europäischen Volkspartei (EVP) forderte Karas einen neuen Schiedsgerichts- und Sanktionsmechanismus für derartige Fälle. Auch das Rechtsstaatsverfahren auf EU-Ebene will Karas reformieren, "damit sich die Täter nicht miteinander vereinen können, um Sanktionen zu verhindern".

Schieder fordert klare Entscheidungen

SP-Spitzenkandidat Andreas Schieder hatte bereits zuvor gefordert, dass die Europäische Volkspartei dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nicht nur die "gelbe Karte" zeigen sondern klare Entscheidungen treffen müsse: "Da dürfen wir nicht zuschauen, wie diese Spaltpilze Europa auseinandertreiben." Gemeinsam mit Claudia Gamon von den NEOS und Werner Kogler von den Grünen forderte er auch finanzielle Sanktionen gegen die ungarische Regierung.

Für Gamon ist die Debatte "unwürdig und peinlich", weil die EVP nur ihren Machterhalt im Blick habe. "Es geht darum, dass wir um die Freiheit aller Ungarinnen und Ungarn kämpfen müssen. Dort wird die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit eingeschränkt", so Gamon.
 

Kogler: "Fürchterlich peinlicher, schrecklicher Eiertanz"

 Kogler kritisierte außerdem den "fürchterlich peinlichen, schrecklichen Eiertanz" der ÖVP in dieser Frage, denn Kanzler Sebastian Kurz habe Orban am längsten und intensivsten die Stange gehalten. Auch der von der Liste JETZT unterstützte Voggenhuber kritisierte Kurz: "Er war ein besonderer Herold dieser Achse Salvini-Orban-FPÖ".
 

Vilimsky bietet Orbán Zusammenarbeit an

Harald Vilimsky von der FPÖ bot Orban dagegen neuerlich eine Zusammenarbeit an: "Ich halte es für eine Demütigung, den ungarischen Ministerpräsidenten mit einem Fußtritt aus seiner Parteienfamilie hinauszutreten und ich würde mich freuen, Seite an Seite mit seiner Partei an einem Reformprozess mitwirken zu dürfen."


 

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