Nazi-Anschlag in Halle

Hier wird ein Verdächtiger festgenommen

Bilder zeigen zudem, wie ein Verdächtiger mit einem Gewehr durch Halle läuft

Nach den Schüssen in der deutschen Stadt Halle haben Medien Bilder des angeblichen Täters veröffentlicht. Die "Mitteldeutsche Zeitung" zeigte am Mittwoch ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der Sender MDR zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.

Der Bürgermeister von Halle, Bernd Wiegand, ließ nach den tödlichen Schüssen in der Stadt einen Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen. Wiegand sprach am Mittwoch in einer Mitteilung von einer "Amoklage". Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden.

© Twitter

Ausnahmezustand

Die Polizei forderte die Menschen in Halle und im östlich davon gelegenen Landsberg auf, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen. Das Lagezentrum der Landesregierung warnte zuvor vor einem "Schusswaffengebrauch im Bereich Landsberg".

Zu Mittag waren im Paulusviertel der Stadt zwei Menschen erschossen worden, die Hintergründe waren weiterhin unklar. Die Polizei sprach zunächst von mehreren mutmaßlichen Tätern, die mit einem Auto flüchteten. Eine Person wurde inzwischen festgenommen.

© Facebook

Die Leipziger Polizei verstärkte ihre Kräfte vor der Synagoge der benachbarten Stadt. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt, davon sind mit Maschinenpistolen bewaffnet. Weitere Maßnahmen seien bisher noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher. Man wolle das weitere Geschehen abwarten und dann entscheiden. Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt. Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Polizeischutz erhöht.
 

Hinweise auf Nazi-Anschlag

Der deutsche Generalbundesanwalt zog die Ermittlungen an sich. Auch ein Sprecher des Innenministeriums sagte in Berlin, die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt. Die Polizei warnte vor Spekulationen. Allerdings werden Insider zitiert, dass es Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund gibt.

Ein Polizeisprecher sagte dem "Spiegel", ein Mann sei in einem Imbiss getötet worden. Das andere Opfer in der Nähe der Synagoge sei eine Frau. Auf dpa-Anfrage wollte die Polizei zu den Opfern zunächst nichts offiziell sagen, weder zum Geschlecht, noch wo sie gefunden wurden.

Augenzeugen in Halle berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und ein Gewehr getragen haben soll. Medien zeigten entsprechende Aufnahmen. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben.

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle, gab es Schüsse, bestätigte eine Polizeisprecherin in Halle. Menschen sollen auch hier Gebäude und Wohnungen nicht verlassen, hieß es.

Im nahe gelegenen Leipzig verstärkte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge. Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Schutz erhöht. In anderen deutschen Städten wurde der Schutz entsprechend verstärkt.

Der Bahnhof von Halle wurde wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Das teilte die Deutsche Bahn über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

Politik geschockt

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die deutsche Regierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen "an die Freunde und die Familien der Todesopfer", sagte er.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff zeigte sich erschüttert über die tödlichen Schüsse. "Ich bin entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat", erklärte Haseloff am Mittwoch. Dadurch seien nicht nur Menschen zu Tode gekommen, die Tat sei "auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land". Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

Das Europaparlament gedachte am Mittwochnachmittag mit einer Schweigeminute der Opfer. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli in Straßburg.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir twitterte: "Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert & traurig." Allen Verletzten und Angehörigen wünschte er viel Kraft und dankte den Einsatzkräften.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch schrieb auf Twitter: "Am höchsten jüdischen Feiertag ein Anschlag auf jüdisches Leben in Deutschland - ekelhaft! Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Millimeter Platz haben.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel twitterte: "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen."
 

Posten Sie Ihre Meinung

Diese Website verwendet Cookies

Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer   Datenschutzerklärung .