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"Wie aus einem Horror-Film"

Schock-Video aus China zeigt Ausmaß von Corona-Virus

Auf Twitter kursieren derzeit schockierende Videos, die das Ausmaß des Corona-Virus in der Stadt Wuhan zeigen – In der ganzen Stadt sind die Rettungskräfte damit beschäftigt Menschen, die plötzlich auf der Straße umgekippt sind, zu versorgen.

Wuhan. Im Flugzeug von Peking nach Wuhan in Zentralchina ist es so gut wie leer. Nur etwa 30 Passagiere haben Platz genommen, die meisten von ihnen stammen aus der Stadt am Jangtse. Die Stewardessen tragen Mundschutz. Auch der Flughafen der Elf-Millionen-Einwohner-Metropole ist so gut wie ausgestorben - die meisten Geschäfte haben geschlossen, die Gepäckbänder stehen still.
 
 
Die Behörden haben die Stadt aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus über Nacht quasi abgeriegelt. Die sonst quirlige Metropole sieht plötzlich aus wie eine Geisterstadt. Nur selten spaziert ein Passant die großen Durchgangsstraßen entlang, natürlich mit Mundschutz. Die U-Bahn-Stationen sind geschlossen, die Gitter zu den Ein- und Ausgängen herabgelassen. "Auch viele Läden sind zu", berichtet Adrian, Französischlehrer in Wuhan. Wie seine Kollegen wurde er aufgefordert, seinen Arbeitsplatz nicht zu verlassen.
 
Der Gang zum Supermarkt um die Ecke ist erlaubt. "Manche Kunden haben ein oder gleich zwei Einkaufswagen bis zum Rand gefüllt", erzählt Adrian. "Man könnte denken, es gehe ums Überleben."
 
In einem Hotel im Stadtzentrum bekommen die Gäste ungefragt Desinfektionsmittel gereicht. Sie möchten doch bitte die Temperatur messen. Das Hotel nebenan hat gleich dichtgemacht.
 
 
Die Quarantäne macht den Bewohnern von Wuhan Angst. "Wir haben nicht genug Lebensmittel und Desinfektionsmittel", schreibt einer in den sozialen Netzwerken. "Wir brauchen Nachschub." Er habe den Eindruck, "das Ende der Welt" sei gekommen.
 
Ein Bewohner namens Mao erzählt, er verlasse schon seit zwei Tagen das Haus nicht mehr. "Zuletzt bin ich nur nach draußen gegangen, um mir eine Maske zu kaufen." Sie habe 50 Yuan gekostet - umgerechnet sechs Euro. "Die Person hinter mir hat alle Masken aufgekauft, die noch da waren."
 
In Online-Netzwerken wird ein Video aus einer Nachbarstadt geteilt. Eine junge Frau aus Wuhan feiert ihre Hochzeit, natürlich mit Maske über Mund und Nase. In ihrer Rede begrüßt sie ihre Gäste aus der Heimat - für sie ist ein Extra-Tisch vorgesehen.
 
 
In Wuhan sind öffentliche Feiern zum Neujahr gestrichen. Jeder der nach draußen geht, muss eine Maske tragen. Der 28-jährige Fang hat sich trotz der beunruhigenden Nachrichten in Shanghai in den Zug gesetzt, um seine Familie über die Feiertage zu besuchen. "Einige Leute haben ihre Pläne ja geändert, aber ich nicht: Ich möchte trotzdem nach Hause."
 
In Wuhan ist der neuartige Erreger, der mitunter tödliche Atemwegsinfektionen verursacht, erstmals aufgetreten: als Ausgangspunkt gilt ein Tiermarkt in der Stadt. Forscher gehen davon aus, dass die Infektion ursprünglich von Tieren ausging und sich der Erreger anschließend von Mensch zu Mensch weiterverbreitete.
 
Erste Meldungen über das neue Virus tauchten schon im vergangenen Monat auf, doch die Behörden reagierten zunächst kaum. Nachdem sich in China mittlerweile rund 600 Menschen infiziert haben und 17 Menschen starben, sind die Vorsichtsmaßnahmen nun umso härter.
 

WHO sieht noch keine Notlage 

 
Im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit in China stehen vor dem chinesischen Neujahrsfest rund 20 Millionen Menschen praktisch unter Quarantäne. Die Behörden haben die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, in der die meisten Fälle aufgetreten sind, am Donnerstag abgeriegelt. Weitere große Städte sind ebenfalls von starken Einschränkungen betroffen.
 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sah am Donnerstagabend keinen Grund, eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite auszurufen. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt", sagte der Vorsitzende des Notfallausschusses, Didier Houssin. Er verwies darauf, dass es im Ausland bisher nur wenig Fälle gebe, und dass China bereits selbst weitreichende Vorkehrungen getroffen habe.
 
WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, China habe diejenigen Maßnahmen getroffen, die es für angemessen halte. "Wir hoffen, dass sie effektiv und von kurzer Dauer sind", sagte er. Die WHO empfehle keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen. Die WHO nehme den Ausbruch extrem ernst, sagte WHO-Chef Tedros. "Es ist noch keine Notlage von internationaler Tragweite, aber das kann es noch werden", sagte er.
 
 
In China gibt es bisher 644 bestätigte Fälle, berichtete die chinesische Zeitung "Global Times" am Donnerstagabend. Die Zahl der Todesfälle sei von 17 auf 18 gestiegen. Ein Patient starb demnach am Mittwoch in der nördlichen Provinz Hebei. Es sei der erste Todesfall außerhalb der Provinz Hubei, in der Wuhan liegt. Die meisten Todesopfer waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
 
In einzelnen Fällen wurde das Virus auch schon bei Patienten in anderen Ländern wie Thailand und den USA nachgewiesen. Am Donnerstag wurde der erste nachgewiesene Fall in Singapur bekannt. In Europa ist bisher kein Fall bekannt. Eingeschleppte Einzelfälle der neuen Lungenkrankheit sind deutschen Infektionsspezialisten zufolge aber auch hierzulande "wahrscheinlich". Grund zur Besorgnis gebe es aber nicht, teilte die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie mit. Kliniken bereiteten sich aktuell vor, um auf diese Fälle schnell reagieren zu können.
 
Die Behörden stoppten in Wuhan Donnerstagfrüh (Ortszeit) Flüge, Züge, Fähren, Fernbusse und den öffentlichen Nahverkehr. Die Ausfallstraßen wurden nach und nach gesperrt. Die Menschen wurden angewiesen, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen - bei Nichteinhaltung drohen Strafen. Rasch waren Straßen, Märkte und Einkaufszentren wie leer gefegt. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen.
 
Auch in der 75 Kilometer weiter östlich gelegenen Sieben-Millionen-Stadt Huanggang sollte der öffentliche Verkehr gestoppt werden. Menschen sollen die Stadt nicht mehr verlassen, wie die Stadtregierung mitteilte. Ähnliche Restriktionen gelten für die benachbarte Stadt Ezhou mit einer Million und für die Stadt Chibi mit einer halben Million Einwohnern. Auch in Xiantao mit mehr als einer Million Einwohner sowie in Lichuan mit knapp einer Million Einwohner ist der öffentliche Verkehr mit Bussen, Fähren und Bahnen in andere Orte ausgesetzt worden. Alle Städte liegen in der Provinz Hubei.
 
Die Abschottung ist eine beispiellose Maßnahme. "Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.
 
Der Notfallausschuss der WHO empfahl China, Reisende bei der Ausreise aus der Region weiter auf Krankheitssymptome zu untersuchen, sämtliche Informationen über die Entwicklung des Ausbruchs publik zu machen und die Gründe für alle Maßnahmen genau zu erklären. Ländern, in denen schon Fälle auftauchten, empfahl der Ausschuss, die Kontakte von Infizierten zu überwachen und nach Infektionsanzeichen Ausschau zu halten. Alle Länder der Welt sollten sich darauf einstellen, dass Fälle auftauchen könnten, sagte der Ausschussvorsitzende Houssin.
 
 
Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. In Peking wurden aus Angst vor dem Virus alle größeren Veranstaltungen und Tempelfeste anlässlich des Neujahrsfestes gestrichen. Zudem wird der Kaiserpalast in Peking von Samstag an für Besucher geschlossen.
 
Das Coronavirus ist nach Einschätzung von Experten weiter ein kaum ansteckender Erreger. Die meisten Fälle beträfen nach wie vor Wuhan, das Virus habe sich nicht sehr stark ausgebreitet, sagte der Hamburger Virologe Schmidt-Chanasit. Zudem habe sich kaum Krankenhauspersonal angesteckt, und auch bei den Fällen in anderen Ländern habe es bisher keine Übertragung auf weitere Menschen gegeben. "Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot", sagte er.
 
Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bisher nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren. Das Virus sei zudem bisher stabil und es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagte Michael Ryan, Direktor des WHO-Notfallprogramms. Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar - Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.
 
Die Entwicklung eines Impfstoffes wird nach Einschätzung der globalen Impfallianz Gavi mindestens ein Jahr dauern. Bisher gebe es keine effektive Behandlungsmöglichkeit von Infizierten, sagte Ryan vom WHO-Notfallprogramms. Den Menschen könne im Krankenhaus mit Atemhilfen und der Überwachung der Organfunktionen geholfen werden.
 
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