Corona: Wann dürfen wir endlich ALLES wissen?

Fakten über Kollateralschäden fehlen

Corona: Wann dürfen wir endlich ALLES wissen?

Die gesundheitlichen Kollateralschäden durch die Corona-Krise: Bisher fehlen österreichweite Zahlen, wie die Virus-Angst anderen Patienten geschadet hat. Jetzt alarmiert eine neue Studie von Ärzten.

Wie sehr hat die Corona-Krise die Behandlung von anderen Krankheiten beeinträchtigt? Wie viele Kinder wurden in Österreich mit großer und damit gefährlicher Verzögerung in ein Krankenhaus gebracht, weil die Eltern eine Virus-Infektion befürchtet haben? Hat der Minister fünf Monate nach Beginn der Krise im März dazu schon eine Studie in Auftrag gegeben? Diese Fragen stellte oe24 kürzlich dem Führungsstab des Gesundheitsministers. Im Bundesministerium sind die Kommunikationsexperten von Minister Rudi Anschober (Grüne) bei diesem Thema ziemlich kurz angebunden: „Da müssen sie bei der GÖG fragen, bei der Gesundheit Österreich GmbH, wir haben dazu nichts.“

Bei der Open-Source-Recherche findet sich dazu auch keine aktuelle Datensammlung samt Expertise der GÖG – allerdings eine brandneue Studie von Kinderärzten der Salzburger Uni-Klinik für Jugend- und Kinderheilkunde. Die Salzburger Mediziner machten genau das, was eigentlich auch vom Bundesministerium zu erwarten gewesen wäre: Sie analysierten in den ersten vier Wochen nach dem Start der Ausgangsbeschränkungen ab 16. März die Fälle in der Notfallambulanz des Kinderzentrums Salzburg und die Auswirkungen der Corona-Krise auf die medizinische Versorgung von erkrankten Kindern und Jugendlichen.

Erste Studie: Kinder wegen Corona-Angst in Lebensgefahr

Das Ergebnis ist alarmierend – und es ist ein weiterer Beleg dafür, warum eine bundesweite Studie über sämtliche Kollateralschäden der Corona-Gegenmaßnahmen längst nötig gewesen wäre: In zwei Fällen hatten Eltern aus Angst vor einer Corona-Infektion sogar den Transport ihrer Kinder mit dem Rettungswagen ins Spital verweigert. Und die Eltern von vier kleinen Patienten kamen aufgrund der Corona-Angst mit ihren Kindern erst ins Krankenhaus, als sich die Kids „bereits in einem potenziell lebensgefährlichen Zustand befunden hatten“. Generell zeigt die Analyse, dass die Zahl der auf der pädiatrischen Notfallambulanz behandelten Kinder im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 59 % zurückgegangen ist, zwei Drittel der Eltern hätten ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung „erst mit Verspätung“ in die Spitalsambulanz gebracht.

Wiener Top-Mediziner macht Druck

„Wann dürfen wir alles wissen? Das Gesundheitsministerium muss endlich eine umfassende Studie liefern, die das gesamte Ausmaß der gesundheitlichen Kollateralschäden durch die Corona-Angst aufzeigt“, forderte der von vielen TV-Auftritten österreichweit bekannte Allgemein-Mediziner Dr. Marcus Franz.
Auf Twitter schrieb der Wiener Arzt dazu kürzlich: „Ein kollateral Geschädigter kann sagen: Lockdown ist ein anderes Wort für eine Maßnahme, mit der man Ressourcen für virtuelle Kranke erzeugt, die dann niemals real kommen, um damit echten Kranken, die wirklich da sind, diese Ressourcen vorzuenthalten.“
 

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